Ein besonderer Jahrgang

Schulleiterin Ursula Schreiter-Antonius übergibt die Zeugnisse gemeinsam mit dem jeweiligen Kursleiter.

Uelzen - Von Barbara Kaiser. Eines kann jetzt schon als sicher gelten: Zu den 17 Prozent der unter 30-Jährigen, die in der Bundesrepublik nach Aussagen des neuesten Bildungsberichtes ohne Berufsabschluss bleiben, werden die Absolventen des Herzog-Ernst-Gymnasiums Jahrgang 2010 nicht gehören.

Sie stellten mit ihren Zeugnissen und der Durchschnittsnote 2,48 die bisherige Bestleistung aus dem Jahre 1981 ein; 28 der 102 Schüler können mit Stolz auf eine Eins vor dem Komma verweisen. Ein brillantes 1,0 erreichten Antje Dreyer und Daniel Westerfeld. Es fällt auch in diesem Jahr auf, dass diejenigen mit den besten Leistungen sich genauso auf gesellschaftlichem und kulturellem Gebiet engagieren.

Am Sonnabend wurden die Abiturienten mit vielen schönen Worten und Ratschlägen aus ihrer Schule verabschiedet. Es sollte eine Feierstunde sein, „die Sie in guter Erinnerung behalten“, so Studiendirektor Dieter Schwerdtfeger zur Begrüßung. Schwungvoll und punktgenau hatte die Bigband der Schule die Veranstaltung eröffnet.

Die Festrede hielt traditionsgemäß ein Silberner Abiturient. Volker Moritz breitete vor einem aufmerksamen Publikum seine Gedanken und Erfahrungen aus Schule, Studium und Berufsleben aus. Das Besondere: Moritz ist Oberarzt in einem Krankenhaus in Norwegen.

Vielleicht hat es manch einen erschreckt zu hören, welch Odyssee der Mediziner in seinem Heimatland zu gehen gezwungen war. Als er nach 115 Bewerbungen auf eine Assistenzarztstelle im gesamten Bundesgebiet keinen positiven Bescheid erhielt, wanderte er aus.

Es glich wohl einem Aha-Erlebnis, was der Redner über das norwegische Schulsystem erzählte, in dem die Kinder bis zur zehnten Klasse gemeinsam lernen, und es erhielt Kommentare wie „cool!“, welche Rituale Abiturienten im hohen Norden veranstalten. Aber nicht erschrecken wollte Moritz seine Zuhörer, er wollte nur verdeutlichen: „Nicht alles in Ihren Leben wird ohne Probleme laufen, aber das Ziel fest im Blick werden Sie es schaffen.“ Er hatte Arzt bleiben wollen, also nahm er das Erlernen einer neuen Sprache auf sich und fühlt sich seit 1998 im fremden Land angekommen und wohl.

Schulleiterin Ursula Schreiter-Antonius veranlasste das zur Ergänzung: „Wenn dieses Land Ihnen keine Perspektive bieten kann – Europa ist groß.“ Es wäre zu wünschen, dieser Aufruf riefe auch bundespolitische Entscheidungsträger aus dem Tiefschlaf.

Vor der Zeugnisübergabe hatte Ursula Schreiter-Antonius in diesem Jahr ihre Rede entlang des Alphabets aufgeschrieben. So wünschte sie den Schulabgängern zwischen A wie Ausdauer, Achtung und Aufrichtigkeit bis X, „dass Sie sich kein X für ein U vormachen lassen sollten“, alles erdenklich Gute, gemahnte sie jedoch auch an Tugenden, die sie in der „Verrohung der politischen Klasse“ untergehen sieht. Jetzt ist es an den Absolventen, mit Courage, Ehrlichkeit, Fleiß und Geduld, Leistung zu zeigen, Orientierung zu finden, verbindlich und verlässlich Verantwortung zu übernehmen.

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