Experten zu Mietentwicklung in Uelzen

Begehrt: Wohnraum in der Kernstadt

Uelzen. In kaum einer Region in Niedersachsen steigen die Mieten so langsam wie im Kreis Uelzen: Nur rund 1,3 Prozent teurer wurden Wohnungen und Häuser hier im Schnitt in den vergangenen fünf Jahren.

Zum Vergleich: Im Kreis Lüneburg stiegen die Mieten um 4,6 Prozent, selbst in Lüchow-Dannenberg um 2,0 Prozent. Die AZ sprach mit Rainer Leppel, stellvertretender Vorsitzender des Gutachterausschusses für Grundstückswerte, und dem ehrenamtlichen Gutachter Roland Bast aus Bienenbüttel über die Miet-Situation in Stadt und Kreis Uelzen.

Herr Bast, was kostet der Quadratmeter für eine Mietwohnung heute in der Stadt Uelzen?

Bast: Unter fünf Euro gibt es in der Stadt Uelzen keine vernünftige Wohnung mehr. Einfacher Wohnraum beginnt bei vier Euro, man zahlt aber auch schon mal 5,50, das ist abhängig von Lage und Ausstattung. Zum Vergleich: In Lüneburg kostet Wohnraum schon mal acht Euro, bei Erstbezug auch neun.

Was heißt vernünftige Wohnung?

Bast: Drei Zimmer, Küche, Bad, Balkon, Kellerraum. Auch eine Einbauküche muss dabei sein. Die Größe liegt so zwischen 60 und 80 Quadratmetern.

Leppel: Interessanterweise sind kleine Wohnungen im Gegensatz zu früher im Quadratmeterpreis heute nicht mehr deutlich teurer. Da fällt der Quadratmeterpreis, denn die klassische Studentenbude ist nicht mehr so gefragt. Junge Leute ziehen heute früher zusammen.

Was ist denn beste Lage in Uelzen?

Bast: Die Kernstadt ist gefragt, der Königsberg, das Sternviertel und auch noch Veerßen sind erste Adressen. Aber auch innerhalb des Innenstadtrings kann man sanierte Altstadtwohnungen sehr gut vermieten. Je weiter es raus geht, desto schwieriger wird es dann. Der Elbe-Seitenkanal ist da zum Beispiel so eine Grenze.

Aber es gibt doch auch Leerstände in der Kernstadt?

Bast: Ja, aber diese Wohnungen sind dann oftmals vernachlässigt und verwohnt. Wenn ein Hausbesitzer über mich als Immobilienmakler so eine Wohnung vermieten will, dann sage ich dem schon, dass er da investieren muss. Schnell ein Eimer Farbe rüber, so wie früher, das reicht heute nicht mehr.

Und wie ist die Situation im Kreisgebiet?

Leppel: Bad Bevensen und Bienenbüttel nehmen da Sonderstellungen ein. Bad Bevensen als Kurstadt und Bienenbüttel als Einzugsgebiet des noch teureren Lüneburg. Bevensen liegt bei den Mieten sogar höher als Uelzen, da werden auch 6,50 Euro gezahlt. Auch in Bienenbüttel kann man schon mal 6 bis 6,50 Euro erzielen.

Und der südliche und östliche Kreis?

Bast: Da ist es schon schwieriger. Das steht und fällt mit den Möglichkeiten der jungen Leute, die dort leben. Wo finde ich Arbeit, wo kann ich mir eine Wohnung leisten? Da geht vieles zu Niedrigstpreisen. Aber auf dem Land ist auch nicht so viel Bewegung, da sind das typische Bild eigentlich Häuser, die von den Eigentümern selbst bewohnt werden. Und wenn die wegziehen, wollen sie verkaufen.

Leppel: Wenn ich die jetzige Zinslage sehe, kann man gerade auf dem Land bald günstiger kaufen als mieten. Doch viele junge Leute schrecken davor zurück, weil sie mobil bleiben wollen.

Bast: Weil man unsicher ist, ob man auch künftig sein Geld in Uelzen verdienen wird. Das ist in Lüneburg schon etwas anderes, da sind sich die Leute sicher, dass sie einen festen und vor allem langfristigen Arbeitsplatz haben.

Also ist das ein spezielles Problem des ländlichen Raumes?

Leppel: Vor allem ist es auch ein Problem der Verkehrsanbindung. In Lüneburg zum Beispiel profitiert man ganz klar von der Anbindung an den Hamburger Verkehrsverbund (HVV) und auch von der Autobahn, über die man in einer halben Stunde in Hamburg ist. Für Uelzen sind die Entfernungen einfach ein Problem. Bis in die 90er Jahre zogen die Familien aufs Land, doch zum Zeitfaktor der langen Anfahrt kommen jetzt auch die hohen Spritpreise. Das frisst den Vorteil des günstigen Wohnens wieder auf.

Also braucht Uelzen einen HVV- und einen Autobahnanschluss?

Bast: Ja, auch wenn viele das nicht gerne hören. Wir wollen alle mobil sein und schnell in die Metropolen kommen. Dennoch schreckt eine Autobahn viele ab.

Leppel: Sehen sie sich Lüneburg an: Dort gibt es zahlreiche neue Baugebiete, sogar an der geplanten Autobahntrasse. Und auch die sind heiß begehrt. Wenn die Autobahn und damit die schnelle Anbindung da ist, kommen die Neubürger. Sonst bleiben die Lücken.

Also nützt es nichts, wenn Uelzen nur Neubaugebiete ausweist?

Leppel: Neubaugebiete brauchen nur Kreise, die Bevölkerungszuwachs haben. Und die hat der Landkreis Uelzen mit Ausnahme von Bienenbüttel nicht. Das spiegelt sich auch in der Zahl der Haus-Neukaufverträge wider: 2010 waren das in Lüneburg 2197, in Uelzen 989, in Lüchow Dannenberg 738. Während die Tendenz in Uelzen mit -2,4 Prozent und Dannenberg mit -5,1 Prozent rückläufig ist, verzeichnet Lüneburg ein Plus von 2,7 Prozent. Diese Situation wird sich noch verschärfen. Die Schere zwischen Uelzen und Lüneburg wird bei der allgemeinen Entwicklung auf dem Immobilienmarkt weiter auseinander klaffen.

Wie kann man Auswärtigen den Landkreis Uelzen schmackhaft machen?

Bast: Die Natur ist ein Pfund, mit dem man wuchern kann. Aber wir brauchen Industrie und Arbeitsplätze, dann kommen die Leute auch – dabei wären wir wieder bei der Autobahn.

Leppel: Die Kommunen müssen Nebenkosten wie zum Beispiel Steuern niedrig halten. Auch schnelle Internetanschlüsse in der Fläche bekommen eine immer größere Bedeutung.

Und wie ist die Situation beim Haus- oder Wohnungskauf?

Leppel: Da gibt es grundsätzlich den gleichen Trend wie bei der Miete. Entscheidend sind Qualität und Lage. Das gleiche Haus wäre in Uelzen nur halb so teuer wie in Lüneburg, auf dem Lande gibt es nochmal einen Abschlag. Wie gesagt, in vernünftigen Lagen wäre es oftmals besser zu kaufen als zu mieten.

Bast: Auf lange Sicht ist die Immobilie noch immer eine sichere Anlage. Auch ich kann jedem Kaufinteressenten angesichts der heutigen Wirtschafts- und Zinslage nur zuraten,dann lieber heute als morgen tätig zu werden.

Von Thomas Mitzlaff

Kommentare