Begegnungen in Flüchtlings-Zeiten

Was da gerade passiert in Deutschland und an den Außengrenzen der EU – es wird unsere Gesellschaft verändern. Auch hier bei uns, in der ländlichen Region, ahnt man es, wenn man verfolgt, was sich in dieser Woche abgespielt hat. Zum Beispiel in Uelzen.

Erst waren da nur die fremd anmutenden Grüppchen, die durch diese Stadt gehen, denen man im Supermarkt begegnet; die unsicher zwischen den Regalen stehen. Viele begegnen diesen Menschen mit diffusen Gefühlen, mit einer gewissen Ohnmacht. Man will diesen Familien, diesen Männern, Frauen und Kindern, doch gerne helfen, von denen viele Grauenvolles erlebt haben, die jetzt auch in Uelzen zu hunderten in Turnhallen gepfercht werden müssen, ohne jegliche Privatsphäre. Menschen, die bei uns plötzlich nebenan leben, über die wir eigentlich so gar nichts wissen und die sich natürlich auch fremd fühlen in unserem Land.

Ein paar Wochen in Turnhallen leben zu müssen, das ist sicher zumutbar angesichts des nicht enden wollenden Flüchtlingsstroms; doch noch weitaus weniger erträglich ist die Unsicherheit, wie es weitergehen wird.

Ein paar Wochen als Übergangslösung sei diese Unterbringung geplant, teilt das Land mit und vielleicht glaubt man im Innenministerium tatsächlich, was man da verlautet. Allein es fehlt an der Basis der Glaube. Denn fast täglich korrigieren Bund und Land ihren Kurs. Mit diesem Versagen auf ganzer Linie müssen sich Kommunen und mit ihnen die Helfer wohl abfinden, so bitter es ist.

Dieses Organisationschaos bereitet vor Ort große Probleme, weil man keinen Fahrplan, kein Konzept aufstellen kann. Denn das Land stopft offenbar wahllos Busse voll und schickt sie los. Und die Ehrenamtlichen, die eigens Urlaub nehmen, um hunderte Betten aufzubauen und zu beziehen, können nicht einmal von einem Tag zum anderen planen.

Eines darf aber auf keinen Fall jetzt passieren: Dass dieses Versagen von Bund und Land jetzt auf die Menschen zurückfällt, die in größter Not zu uns kommen, die auf unsere Hilfe hoffen, uns ihre Familien anvertrauen. Vor Ort jetzt Herzlichkeit zu beweisen, angesichts dieser dramatischen Schicksale, nicht zuzulassen, was droht angesichts scheiternder Politik – dass nämlich die Stimmung kippt. Das kann man allen Beteiligten vor Ort nur wünschen.

Die ersten Uelzener kamen schon zur Pestalozzi-Halle, sie hatten Spielzeug dabei. Jeder einzelne kann einen Beitrag leisten – und sei es nur ein aufmunterndes Lächeln bei einer Begegnung.

Von Thomas Mitzlaff

Rubriklistenbild: © Koller

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