2007 wurde das Elterngeld eingeführt – Eine junge Uelzener Familie berichtet von ihren Erfahrungen

Es begann mit einem „Ojemine“

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Genießen das Familienglück: Sven, Susanne und Hannes Martin vor dem Gartenhaus.

Uelzen. „Eigentlich will man die Angelegenheit am liebsten schon vor der Geburt regeln“, meint Susanne Martin, „so wie das Streichen des Kinderzimmers.

“ Die frischgebackene Mutter hat sich deshalb mit der Thematik Elterngeld schon auseinandergesetzt, als sie im sechsten Monat schwanger war. Doch die Anforderungen an den Antragsteller haben sie letztlich doch bis nach der Geburt ihres Sohnes auf Trab gehalten.

Im Internet hatte sich die Krankenschwester darüber informiert, was auf sie zukommt. „Ich habe mir schließlich auch die Formulare angeschaut und dachte nur ,Ojemine’: Der Antrag allein umfasst zehn Seiten und dann kommen noch die Dokumente hinzu, die man einreichen muss“, erinnert sich Martin. Ihr Mann Sven sitzt neben ihr, Sohn Johannes auf dem Schoß, und ergänzt: „Ich bin froh, dass ich mich damit nicht auseinandersetzen musste – vor allem bei all dem Fach-Chinesisch.“ Anfangs habe die 36-Jährige noch gedacht, wenn sie im Nachhinein die Geburtsurkunde einreicht, würde das als Nachweis ausreichen. „Ich brauchte die Lohnabrechnungen der letzten zwölf Monate und meinen Steuerbescheid“, klärt sie über die tatsächlichen Bedingungen auf, „und ein Sonderformular vom Standesamt mit dem Verwendungszweck ,Elterngeld’, auf dem die Krankenkasse ihre Bestätigung geben musste.“

Unter diesen Umständen habe sich dann schon eine gewisse Anspannung breit gemacht, ob das denn alles rechtzeitig klappt. Der Gang zum Standesamt hatte dann aber eine beruhigende Wirkung: „Das war ganz unkompliziert und es gab auch gleich eine Wilkommenstüte mit einem Kinderbuch darin“, berichtet sie von ihrem Behördenbesuch, „total toll.“

In der Zwischenzeit schreckten auch die bürokratischen Formulierungen der Antragsseiten die Uelzenerin nicht mehr ab: „Im Internet gab es eine Seite, die den Antrag Punkt für Punkt erläutert hat – das war eine große Hilfe.“ Nun galt es dennoch, die Geburt abzuwarten, denn „ohne die Geburtsurkunde ging es nicht weiter.“

Zuviel Zeit darf man sich jedoch auch nicht lassen, weiß die Krankenschwester: „Zahlungen werden nur zwei Monate rückwirkend gewährt.“ Darum wandte sie sich wenige Tage nach der Entbindung an die Elterngeldstelle des Landkreises, um die „Mission Antragstellung“ erfolgreich abzuschließen.

Anschließend begann die Zeit des Wartens: „Beim Kindergeld, das ich in Celle beantragt habe, ging das ganz fix“, stellt Susanne Martin einen Vergleich an, „aber von dem Elterngeld habe ich lange Zeit nichts gehört.“ Darum habe sie irgendwann telefonisch beim Sozialamt nachgefragt. „Formal war alles in Ordnung und trotzdem musste ich sechs Wochen auf eine Bestätigung warten“, resümiert sie das finale Kapitel ihres Erlebnisberichts.

Aber die ausführliche Auseinandersetzung mit dem Thema hatte auch etwas für sich: Susanne Martin hat sich zu einer wahren Expertin für Fragen zum Kindergeld gemausert. „Wenn überall von zwölf Monaten Bezugszeit die Rede ist, stimmt das nicht unbedingt“, stellt die junge Mutter ihr neu erworbenes Wissen unter Beweis: „Weil ich bis acht Wochen nach der Geburt noch vom Mutterschutz profitiert habe, setzte das Elterngeld erst danach ein und wird somit nur zehn Monate bezahlt.“ Außerdem sei oft die Rede davon, dass die Zahlungen abgabenfrei wären, „aber am Jahresende muss das Elterngeld als Einkommen doch versteuert werden.“

Plausibel erklären kann die 36-Jährige auch, warum sie und nicht ihr Mann das Geld beantragt hat: „Das wird in der Regel wohl immer derjenige machen, der weniger verdient.“ In ihrem Freundeskreis gebe es auch ein Beispiel, wo der Vater das Elterngeld bezieht – eben weil dessen Frau der Hauptverdiener sei. Für die Martins wäre das nur unter bestimmten Umständen denkbar: „Angenommen, wir bekommen nächstes Jahr zur selben Zeit ein weiteres Kind, dann bekäme ich als Elterngeld wiederum nur 65 Prozent von dem jetzigen Betrag“, rechnet Susanne vor. In diesem Fall käme am Ende des Monats mehr dabei heraus, wenn sie wieder normal arbeite und Sven zu Hause bliebe.

Übrigens: Egal wer von beiden die Auszeit nimmt: Auf einen Mitarbeiter verzichten muss immer das Klinkum Uelzen. Sven und Susanne Martin sind nämlich Kollegen auf der Station Intermediate Care.

Von Karsten Tenbrink

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