Gefüttert wie ein Pony...

Bau-Gewerkschaft informierte in Uelzen über Verhandlungen

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Kai Schwabe (links) von der IG Bau reihte sich gestern Mittag bei den Meyer-Bauarbeitern am Uhlenköperpark ein.

js Uelzen. „Ich werde auf alle Fälle streiken, wenn es sein muss. Die Arbeitgeber müssen sehen, dass sich was bewegt“, sagt Eugen Beck. Er ist Werkspolier beim Uelzener Bauunternehmen Willy Meyer.

Zusammen mit rund 15 Kollegen ist er zurzeit auf der Baustelle Uhlenköperpark beschäftigt. Und dort gab’s gestern Mittag Besuch von Eckhard Stoermer, Regionalleiter des Regionalbüros Niedersachsen der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt, und seinem Stellvertreter Kai Schwabe.

Sie erläuterten ihren Kollegen die ihrer Ansicht nach zugespitzte Lage in den aktuellen Tarifverhandlungen. Die Arbeitgeber bieten 1,3 Prozent mehr Lohn (Ost: zwei Prozent), die IG Bau fordert 5,9 Prozent mehr Geld. In drei Marathonsitzungen hätte sich die Arbeitgeberseite keinen Millimeter bewegt, rief Stoermer den Arbeitern zu. „Das Angebot ist ein Witz.“ In Zeiten prall gefüllter Auftragsbücher und einem nie dagewesenen Fachkräftemangel am Bau wollten die Unternehmer „nichts rausrücken“.

Vor wenigen Jahren, als der Bau in der Krise dümpelte, hätten die Kollegen verzichtet. Davon wolle die andere Seite jetzt nichts mehr wissen. „Wir sollen arbeiten wie ein Pferd und werden gefüttert wie ein Pony“, so Meyer-Polier Uwe Kickhäfer. 200 Stunden im Monat zu kloppen, sei am Bau derzeit keine Seltenheit. „Da wird fast jeden Samstag gearbeitet“, weiß auch Stoermer. Er unterfüttert es mit Zahlen des Zentralverbandes Deutsches Baugewerbe: Der Arbeitgeberverband rechnet für dieses Jahr mit einem Umsatz von 103 Milliarden Euro (101 Mrd. Euro 2015).

„Wir versuchen mit diesen Aktionen den Kollegen klar zu machen, wie ernst die Lage derzeit ist“, so Stoermer. Wenn es in so einer guten Lage nicht gelänge, eine Einigung herbeizuführen, wann dann, fragt Stoermer. Scheitern die Verhandlungen Dienstag, ist eine Schlichtung vorgesehen. Für die ist die IG Bau pessimistisch. Zu weit lägen die Forderungen auseina-nder. Als Schlichter ist Ex-NRW-Ministerpräsident Wolfgang Clement ausgeguckt. Es könnte auf einen Streik im Juni hinauslaufen.

Für die Sanierung des Einkaufskomplexes Uhlenköperpark dürfte das wohl keine Auswirkungen haben. Dort sei heute Bauabnahme, so einer der Poliere gestern Mittag.

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