Bange Blicke nach Wietze

Moderator Niels Odefey mit einem seiner Küken.

Uelzen/Landkreis - Von Jörn Nolting. Maximal 3000 Hähnchen im Stall mit einem überdachten Auslauf und ein Aufwachsen in einer stressfreien Umgebung: Wenn es nach Peter Block vom Nabu-Kreisverband Uelzen und nach dem Neuland-Landwirt Niels Odefey geht, dann wäre das der richtige Weg in der Hähnchenmast. Überhaupt herrschte auf dem Podium am Donnerstagabend im Hotel Deutsche Eiche in Uelzen Übereinstimmung.

Die Bürgerinitiative (BI) gegen Hähnchenmast in Varbitz hatte eingeladen, um über das Thema zu diskutieren. Schnell wurden die Kreise in der Diskussion größer: Von Varbitz ging es zum Landkreis Uelzen, weiter nach Niedersachsen und schnell in die Republik und auf den Weltmarkt.

Dabei formulierte Katharina Schewando von der BI aus Varbitz gleich zu Beginn ihre örtlichen Bedenken: „Wir fühlen uns bedroht von der Hähnchenmastanlage in Varbitz. Wir wollen mit dieser Veranstaltung auch das Bewusststein der Verbraucher schärfen.“

„Ich verzichte darauf, hier Bilder von Ställen zu zeigen.“ Deshalb demonstrierte Stefan Johnigk von Pro Vieh mit Hilfe von Luftballons, wie wenig Platz Hühner in ihren Ställen haben. Auch Niels Odefey präsentierte Anschauliches: Er brachte eine drei Kilo schwere Henne mit, die am Montag geschlachtet werden soll. „Wir haben es mit Geschöpfen zu tun – nicht mit einer Sache“, unterstrich der Landwirt aus Mehre.

Schnell wurde das Thema auf die Großschlachterei in Wietze im Landkreis Celle gelenkt, die vom Rothkötter-Konzern geplant ist und durch die Hähnchenmastställe in der Region entstehen sollen. Eckehard Niemann von der ABL (Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft) sprach von einem „Verdrängungswettbewerb“ des Konzerns, der seine Marktanteile in Deutschland ausweiten will. Doch bezweifelt Niemann, dass Rothkötter genügend Mäster zusammenbekommt. Monika Baumgartner, Landtagsfraktion der Grünen, nannte einige Zahlen: 134 Millionen Tiere sollen pro Jahr in Wietze geschlachtet werden. Der Schlachthof wird mit 700 000 Euro Landesmitteln subventioniert.

Niemann empfiehlt den Landwirten, auf Freilandhaltung umzuschwenken. Das Ziel müsse sein, die Menge zu begrenzen und dadurch bessere Preise zu erzielen. „Es ist eine Riesenchance für die Landwirtschaft, auf artgerechte Haltung zu kommen“, so Niemanns Meinung. Vom „Scheidepunkt der Agrarpolitik“ sprach auch Jochen Dettmar, Neuland-Geschäftsführer. Noch nicht mal ein Prozent des Angebotes auf dem Hähnchenfleischmarkt stammt aus Freilandhaltung, dabei sind 20 Prozent der Bevölkerung bereit, genau dieses Fleisch zu kaufen.

„Wenn die nicht bei uns gebaut werden, dann gehen sie über die Oder nach Polen. Dort sind die Kontrollen ganz anders“, warf Dieter Schulz aus dem Publikum ein. Hartwig Erb, Regionsvorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbundes, der ebenfalls im Publikum saß, schränkte die Bedenken jedoch ein: „Die könnten jetzt schon nach Polen gehen, aber die brauchen eine Infrastruktur.“

Kritische Fragen stellte Claas Linnemann, ein Berater der Firma Rothkötter. Im Anschluss an die Diskussion bot er an, Vertreter der BI aus Varbitz zu einer Besichtigung von Ställen und Einrichtungen im Emsland einzuladen.

Einen ganz anderen Aspekt, der während der Diskussion gar nicht weiter erwähnt wurde, brachte ein unbeteiligter Hotelgast in der Pause der Veranstaltung ins Gespräch: „Ich komme aus Oldenburg und kenne die Situation im Emsland. Das hier ist doch aber eine Urlaubsregion. Wenn hier auch so viel Ställe stehen, dann kommt doch keiner mehr.“

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