Uelzener Angeklagte nahm vor der Geburt Schmerzmittel / Urteil eventuell nächste Woche

Babytod: Erstickt oder vergiftet?

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Uelzen/Lüneburg. Im Prozess gegen eine junge Uelzenerin, deren totes Baby Ende November in ihrer Wohnung aufgefunden worden war, haben sich die Gutachter auch am letzten Verhandlungstag vor dem Landgericht Lüneburg noch um die Todesursache gestritten.

Während für die obduzierenden Ärzte der Hamburger Rechtsmedizin feststeht, dass das Baby erstickt worden sei und dabei ein Druck auf den Hals, aber auch das Abdecken der Atemorgane ursächlich gewesen sei, hält Gerichtsgutachter Hubert Kampmann ein Ersticken während des Geburtsvorganges für möglich. Auch wenn das Kind nach seiner Geburt wenige Minuten selbstständig geatmet habe, könne nicht ausgeschlossen werden, dass „allgemeine Erstickungsmerkmale, wie eine charakteristische Blaufärbung schon bei der Geburt eingetreten sein könnten“, sagte Kampmann vor Gericht.

Auch die Kompression auf die Halsregion könnte bei einer komplikationsreichen Geburt durch die Verwicklung mit der Nabelschnur entstanden sein, wie der Mediziner angemerkt hatte (AZ berichtete). Ebenso wie das Abdecken der Atemorgane beim Geburtsvorgang denkbar sei, könne das Kind auch schon während der Geburt wegen der starken Blutarmut der Gebärenden gelitten haben. „Eine natürliche Todesursache im Vorgang der Geburt kann nicht ausgeschlossen werden“, meinte Kampmann. Darüber hinaus kritisierte der Rechtsmediziner aus Göttingen, dass eine toxikologische Untersuchung und das Ergebnis einer Feingewebeuntersuchung nicht abschließend vorlägen.

Die junge Mutter habe, als sie im vergangenen November wegen starker Blutungen im Celler Krankenhaus untersucht worden war, geleugnet, ein Kind auf die Welt gebracht zu haben. Daraufhin hatte das Krankenhaus die Behörden benachrichtigt.

Die Analyse bei der Obduktion hatte ergeben, dass der Wirkstoff starker Schmerzmittel, die die Angeklagte wegen der starken Bauchschmerzen eingenommen hatte, in den Körper des Babys eingedrungen seien. „Doch ohne die Feststellungen der Mengen kann nicht geklärt werden, ob der Säugling nicht schon an einer Vergiftung durch die verschiedenen Wirkstoffe verstorben sein könnte“, gab Kampmann zu bedenken.

Daher ordnete Axel Knaack, der Vorsitzende Richter am Landgericht, für kommende Woche zum Ende der Beweisaufnahme die Befragung der Hamburger Toxikologen an. Wenn sich dadurch keine überraschenden Erkenntnisse ergäben, die weitere Beweisanträge erforderlich machten, würden die Schlussvorträge und das Urteil noch am kommenden Donnerstag im Anschluss an die Befragung stattfinden, kündigte Knaack an.

Von Angelika Jansen

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