AZ-Pressetreff und AZ-Wirtschaftsspiegel – Finanzminister Möllring im Gespräch mit Unternehmern

Doppelte Premiere im Medienhaus

+
AZ-Chefredakteur Andreas Becker (l.) interviewt Niedersachsens Finanzminister Hartmut Möllring (CDU)

Uelzen. „Eure Rede aber sei: Ja ja; nein nein.“ Dieses Zitat aus der Bergpredigt hat sich Hartmut Möllring (CDU) zum Motto genommen.

„Man muss doch schließlich Klartext reden“, findet Niedersachsens Finanzminister gestern Abend bei einer doppelten Premiere: dem 1. AZ-Pressetreff und der Präsentation des brandneuen „Uelzener Wirtschaftsspiegel“ – dem Magazin der Wirtschaft für Stadt und Landkreis, zu dem die Allgemeine Zeitung ins C. Beckers Medienhaus eingeladen hatte. Und Klartext reden, das tat der Minister dann auch.

Fotostrecke vom 1. AZ-Pressetreff

1. AZ-Pressetreff

Nachdem Verlagsleiterin Heike Köhn die rund 60 Vertreter und Entscheider der heimischen Wirtschaft begrüßt hatte, gab Möllring nicht nur Einblicke in die aktuelle Landes- und speziell die Finanzpolitik, sondern plauderte sich mit AZ-Chefredakteur Andreas Becker im Interview auch durch ganz persönliche Fragen. So erfuhren die Gäste unter anderem, dass er nichts davon halte, beim Skifahren einen Helm aufzusetzen, schonmal in einem Kampfjet mitgeflogen ist oder sich für Hannover 96 entschiede, müsste er zwischen den Fußballern der Landeshauptstadt und dem VfL Wolfsburg wählen. Und nicht zuletzt outete sich der Minister als jemand, der gern Jever trinke und als Dankeschön für sein Kommen ein Sechserpack dieser Biermarke von Andreas Becker in Empfang nehmen durfte. Nicht ohne ein Augenzwinkern: „Biersteuer ist reine Landessteuer“, schmunzelte Möllring, „kein Bier zu trinken ist also Steuerhinterziehung.“

Im Fokus der zwanglosen und informativen Runde aber standen natürlich die aktuellen Geschehnisse im Land. So streifte Hartmut Möllring die gestrige Eröffnung des Forschungszentrums in Clausthal-Zellerfeld ebenso wie die Insolvenz der SIAG Nordseewerke GmbH in Emden. Das eine „ein schöner Termin“, der Letztere „sehr unerfreulich“, so der Minister. „Man hat so kurz vor der Landtagswahl natürlich lieber schöne Blder, aber es geht um das Geld des Volkes von Niedersachsen, und dann muss man auch Entscheidungen treffen, die unpopulär sind.“

Seit 22 Jahren ist Hartmut Möllring Mitglied des Landtages, seit zehn Jahren Finanzminister. Eine lange Zeit „mit Höhen und Tiefen“, wie er gestern Abend resümierte, „aber Hauptsache, Ersteres ist in der Mehrheit. Es gibt immer Erfolge und Misserfolge, aber ich denke, das war alles ganz in Ordnung.“ Im kommenden Jahr will sich der 60-Jährige aus der Politik verabschieden.

Was den kommunalen Finanzausgleich angeht, da ist Finanzminister Möllring wohl mit Uelzens Bürgermeister Otto Lukat (SPD) auf einer Linie: „Es ist immer zu wenig.“ Grundsätzlich sei der Minister aber der Meinung, dass die Berechnung dieses Ausgleichs auf Grundlage des Flächenfaktors zumindest für Uelzen richtig sei – und erhielt Zustimmung von Uelzens Stadtoberhaupt. In Sachen Fusion der Landkreise hat Möllring eine ebenso klare Meinung: „Zwei Kranke ergeben keinen Gesunden“, stellte er im Hinblick auf Gespräche zwischen den Landkreisen Uelzen und Lüchow-Dannenbeg fest – und überhaupt: „Ich dachte immer, Uelzen liegt neben Lüchow-Dannenberg, auf der Karte sind das ja nur 50 Kilometer. Man fährt aber trotzdem eine Stunde...“ Grundsätzlich halte er zu große Verwaltungseinheiten, wie zum Beispiel die Region Hannover, für problematisch – im Gegensatz zu solchen wie dem Landkreis Wittmund. „Der existiert sehr gut da.“

Landesvater David McAllister hält er für jemanden „mit ruhigen Nerven und besonnen“, der sowohl „ein Bierzelt zum Kochen bringen“ kann, aber auch die breite Bevölkerung anspricht. Bei seinem Herausforderer, Hannovers Oberbürgermeister Stephan Weil (SPD), glaubt er hingegen, dass er Niedersachsen nicht genügend kenne.

Nachdem auch das Thema Christian Wulff kurz gestreift wurde (Möllring: „Es wäre schön, wenn die Staatsanwaltschaft da bald eine Entscheidung trifft, es wird ja langsam quälend...“) und die Gäste dem Minister Fragen gestellt hatten, war Gelegenheit für einen Rundgang durch das Verlagsgebäude und für einen zwanglosen Austausch miteinander.

Von Ines Bräutigam

Kommentare