Mutmaßlicher Doppelmörder stammt aus Uelzen

Seine Mutter schrieb als SMS: „Das kann nur Jan sein“

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Der mutmaßliche Doppelmörder aus Bodenfelde Jan O. (rechts) ging in Uelzen zur Schule und ist dort auch aufgewachsen. Der 26-Jährige ist 2007 in Uelzen wegen Diebstahls zu zwei Jahren und neun Monaten verurteilt worden.

Der mutmaßliche Doppelmörder von Bodenfelde, Jan O., ist in Uelzen aufgewachsen und dort viele Jahre zur Schule gegangen. Nach AZ-Informationen hat er hier mehrere Dutzend Straftaten von Körperverletzungen bis zu Einbrüchen und Diebstählen begangen.

(Update 24.11.2010, 15.44 Uhr): Uelzen - Von Thomas Mitzlaff. „Ich habe alles versucht, aber ich bin mit ihm nicht fertig geworden.“ Klaus O. (Name geändert) ist ein Bär von einem Mann, zwei Meter groß, eine imposante Erscheinung. Doch er spricht mit leiser Stimme, senkt immer wieder den Blick.

Auf dem Küchentisch des schmucken Einfamilienhauses im Südosten Uelzens liegt ein Berg an Zigaretten. „Ich bin zerbrochen an meinem Sohn“, sagt der 52-jährige Uelzener. Und dann sagt er jenen Satz, der erahnen lässt, wie tief verzweifelt dieser Vater sein muss, dessen Sohn den Doppelmord von Bodenfelde begangen haben soll. „Ja, ich kann mir vorstellen, dass es Jan war“, erklärt Klaus O., nickt mit gesenktem Kopf, aber auch entschieden.

Seit fünf Jahren hat der Vater keinen Kontakt mehr mit seinem Sohn, eine SMS seiner Ex-Frau, der leiblichen Mutter, von Jan, lässt die Jahre wieder hochkochen, die er auch heute noch als „Hölle“ bezeichnet. Schon in der zweiten Klasse der Grundschulzeit sei von Ärger geprägt gewesen. Jan war ein „chronischer Schulschwänzer“, so Klaus O., immer wieder brachte ihn die Polizei in die Uelzener Hermann-Löns-Schule.

Dort habe es dann ständig Prügeleien gegeben. Mit 14 kommen Unmengen Alkohol dazu, Jan verbringt Jahre seiner Jugend im betreuten Wohnen und im Heim. Seinen Drogenkonsum finanziert er mit unzähligen Diebstählen, er wird festgenommen, als er als Kurier Rauschgift aus Hamburg holt, um sie in Uelzen zu verkaufen. Mit 18 ist Jan wieder Zuhause, terrorisiert die Eltern. Bis der Vater ihm die Pistole auf die Brust setzt: entweder eine Therapie oder er fliegt endgültig raus.

„Da ist er richtig ausgetickt, hat uns Fensterscheiben eingeworfen und gedroht, das gesamte Haus anzuzünden“, schildert der Vater. Er bricht den Kontakt ab, 2007 wird Jan O. vom Amtsgericht Uelzen zu zwei Jahren und neun Monaten Haft verurteilt. Über 70 Straftaten füllen zu diesem Zeitpunkt bereits die Akten bei der Kriminalpolizei. „Er ist sehr häufig bei uns als Tatverdächtiger aufgetreten, praktisch jeder Kollege hatte mal mit ihm zu tun“, schildert Uelzens Kripochef Jan-Olaf Albrecht. „Das alles hat mich psychisch so belastet, dass ich seit Jahren arbeitsunfähig und in Behandlung bin“, sagt Klaus O. und zündet sich die nächste Zigarette an.

Fünf Jahre hat er seinen Sohn nicht gesehen, doch bis heute hat er sich nicht gefangen. „Ich habe doch alles versucht“, bestätigt sich der 52-Jährige immer wieder. Fünf Jahre ohne Kontakt waren für den Vater auch fünf Jahre der Versuch, das Gefühl des Versagens zu bekämpfen. Bis Mittwochfrüh die SMS der Ex-Frau auf seinem Handy aufleuchtete: „Das kann nur Jan sein“, schrieb sie. Und meint den Doppelmörder von Bodenfelde.

(Update 24.11.2010, 14.13 Uhr): "Ich habe es geahnt" - das schießt dem Vater des mutmaßlichen Doppelmörders von Bodenfelde durch den Kopf, als er von der Festnahme des 26-jähigen Tatverdächtigen Jan O. erfährt. Der 52-Jährige wohnt bis heute in Uelzen - in der Stadt, in der Jan geboren wurde, zur Schule ging, mehr als 70 Straftaten beging und 2007 zu zwei Jahren und neun Monaten Haft verurteilt wurde. Der Vater beschreibt den Tatverdächtigen als gewalttätig, schon in der zweiten Klasse habe er Mitschüler tätlich angegriffen. "Wir wurden mit ihm nicht fertig, vor allem mit dem Alkoholkonsum war es schlimm", schildert der Vater. Er habe ihn schließlich vor die Wahl gestellt, eine Therapie zu machen oder den Kontakt abzubrechen. "Da drohte er mir, das Haus anzuzünden".

2007 verurteilte das Amtsgericht Uelzen den heute 26-Jährigen deshalb zu zwei Jahren und neun Monaten Gefängnis. Wegen seiner Drogenabhängigkeit ordnete der Richter die Unterbringung in eine Erziehungsanstalt an. "Er ist hier sehr häufig als Tatverdächtiger in Erscheinung getreten", erklärt Uelzens Kripochef Jan-Olaf Albrecht auf AZ-Nachfrage.

Derweil hat der Verteidiger von Jan O. ein Geständnis seines Mandanten angekündigt. Der 26-Jährige soll ein 14-jähriges Mädchen und einen 13-jährigen Jungen erwürgt und erstochen haben. Als Motiv nennen die Ermittler Mordlust.

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