"Wetten, dass..?" verschärft Wetten

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Nico Haddad beim Kerzenausblasen in der Sendung "Wetten, dass..?" vom 6. November.

Uelzen/Lüchow - Von Sven Kamin. „Ich habe meiner Frau schon vor dem Unfall gesagt, dass der Junge nicht mehr weitermachen darf“, sagt Nico Haddad aus Lüchow. Und wenn jemand sich in einen Wettkandidaten hineinversetzen kann, dann Haddad. Der 74-Jährige kennt den enormen Druck ganz genau, der bei Deutschlands größter Unterhaltungs-Show „Wetten, dass...?“ auf den Wettkandidaten lastet.

Haddad ist nicht nur aktueller Wettkönig, weil er in der vergangenen Sendung im November innerhalb von zwei Minuten (fast) 1000 Kerzen ausgepustet hatte, sondern war insgesamt bereits drei Mal Wettkandidat bei Thomas Gottschalk. Auf dem Sofa hatten Haddad und seine Frau den Unfall vom Sonnabend, bei dem sich der 23-Jährige Samuel Koch schwer verletzt hatte, live mit ansehen müssen: „Ich habe gesehen, dass er nach dem Fehlversuch nicht mehr zu 100 Prozent sicher war. Er hätte abbrechen müssen“, sagt Haddad.

Schwerer Unfall verursacht Abbruch von "Wetten, dass..?"

Aber der Wettkönig weiß, dass so ein Schritt nicht einfach ist: „Wenn da Millionen zusehen und Tausende im Studio darauf warten, und zu Hause vielleicht der ganze Ort mitfiebert, dann kommt vielleicht das Gefühl auf, dass man nicht mehr zurück kann. Wenn ich mit meinen 74 Jahren gemerkt hätte, dass es mit 1000 Kerzen nicht klappt, dann wär mir das egal gewesen und ich hätte nur 800 gemacht. Aber für einen so jungen Menschen ist das natürlich unter diesem Druck ganz schwer.“ Umso mehr sieht Haddad deshalb die Macher der Show in solchen Fällen in der Pflicht: „Die Wetten werden in den Tagen vor der Show immer wieder geprobt.

Ich habe auch gehört, dass die Wette auch in den Proben nicht reibungslos geklappt hat. Normalerweise werden dann, nachdem was ich erlebt habe, solche Wetten für die Show gar nicht mehr angenommen. Warum sie die Wette in diesem Fall trotzdem laufen lassen haben, weiß ich nicht.“ Auch Thomas Gottschalk selbst hatte ein mulmiges Gefühl und hatte Koch kurz vor der Wette eindringlich gebeten, abzubrechen, wenn er unsicher sei. Grundsätzlich habe sich Haddad bei seinen Feuerwetten immer sehr gut vom ZDF betreut gefühlt: „Die Sicherheitsvorkehrungen sind einwandfrei: Rettungskräfte Feuerwehrleute, Psychologen – da ist alles da.“

Aber Haddad sieht eine mögliche Unfall-Ursache auch in der Jagd nach dem möglichst spektakulären Show-Effekt: So wundert sich Haddad darüber, dass die Autos in der Wette immer größer wurden: Bei dem kleinen Smart hat es noch geklappt, aber das Unfallauto war immerhin ein großer Audi“.

Auch wenn Haddad in diesem Fall keine Einblicke in die Abläufe hatte, weiß er, dass die eingereichten Wetten der Wettkandidaten für die Show noch einmal verschärft werden. „In meiner zweiten Wette habe ich eine brennende Hütte mit Wasser ausgeblasen. In der Show wurde dann Brandbeschleuniger benutzt, um das Holz schneller in Brand zu setzen. Dadurch war das Feuer viel heißer als bei meinen Proben zu Hause und ich hatte sogar nachher leichte Verbrennungen im Gesicht“, sagt der gebürtige Libanese, der in Beirut zum Feuerwehrmann ausgebildet worden war.

Auch bei seiner Kerzen-Wette im November seien die Anforderungen kurz vor der Show noch einmal verschärft worden: „Bei mir zu Hause hatten die Kerzen 6,5 Zentimeter auseinander gestanden, in der Show waren es 7,5. Dadurch war die Reihe insgesamt 18 Meter lang und nicht mehr 16.“ Für Haddad ist der Grund dafür klar: „Die Wetten sollen noch spektakulärer werden. Es ist nicht gewollt, dass einer seine Wette zu leicht gewinnt. Leicht ist zu langweilig. Knapp gewonnene Wetten sind viel spannender.“

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