Das Urteil steht

Axt-Hiebe: Nach Attacke auf Radfahrer muss Täter Entziehungskur antreten

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Am Lüneburger Landgericht wurde der 35-Jährige zu einer Haftstrafe samt Entziehungskur verurteilt. Der BGH bestätigte den Richterspruch. Allerdings geht der Täter direkt in Entziehungskur.

Uelzen/Karlsruhe. Die Lebensgefährtin sprach vor Gericht von einem schleichenden Prozess, bei dem sich das Wesen ihres süchtigen Freundes verändert habe. Der fiel zunehmend durch Gewaltbereitschaft auf.

Mit einem angespitzten Zaunpfahl ging êr auf Passanten los, tauchte mit Hämmern bei einem Vatertagsumzug auf und griff zuletzt im Mai des vergangenen Jahres in Uelzen am Elbe-Seitenkanal einen Radfahrer an und verletzte ihn mit Axt-Hieben schwer. Das Landgericht Lüneburg verhängte dafür gegen den Mann eine Haftstrafe von viereinhalb Jahren samt einer Entziehungskur. Das Urteil ist nun rechtskräftig.

Der 35-Jährige Angeklagte hatte den Richterspruch aus der Salzstadt angefochten. Der Bundesgerichtshof (BGH) hat die Revision des Mannes gegen die Entscheidung aber weitestgehend verworfen. Die Richter des BGH erkannten lediglich einen Rechtsfehler bei der Ausgestaltung der Strafe, wie Frauke Albers, Sprecherin des Landgerichtes Lüneburg, auf AZ-Anfrage sagt. Demnach sollte der 35-Jährige vor der Überweisung in eine Entziehungseinrichtung laut Lüneburger Urteil elf Monate in Haft verbringen. Die Monate, die der Täter vor der Rechtskräftigkeit des Urteils in Untersuchungshaft verbrachte, sind aber anzurechnen, sodass er nun direkt in eine Entziehungseinrichtung eingewiesen werden soll. Denn unmittelbar nach dem Axt-Angriff war er festgenommen worden und sitzt seitdem in Untersuchungshaft.

Für die Überweisung in eine Einziehungseinrichtung ist die Staatsanwaltschaft Lüneburg zuständig. Deren Sprecherin Angelika Klee erklärt, dass die Überführung vorbereitet werde und erfolge, sobald die Akten zum Fall der Staatsanwaltschaft vorliegen.

Für den Angeklagten ist es nicht die erste Entziehungskur, um von Drogen und Alkohol loszukommen. 2008 war schon einmal therapiert worden, galt danach zunächst als unauffällig. Doch Ende 2014 änderte sich das. Die Lebensgefährtin und Mutter gemeinsamer Kinder als Zeugin vor dem Landgericht Lüneburg: „Einmal hat er die ganze Wohnung zerlegt.“ Und: „Ich hatte Angst. Und die Kinder auch. Da wollte ich weg.“

Der Polizei war der Mann wegen Sachbeschädigungen und Körperverletzungen präsent – mit dem Hinweis, dass er mit Werkzeugen angetroffen werde. Sie beantragte die Zwangseinweisung des 35-Jährigen, als dieser mit dem Pfosten auf Passanten losgegangen war. Das Amtsgericht in Uelzen wies aber die Einweisung ab. Ende Mai 2015 kam es dann zu der Axt-Attacke. Der 35-Jährige schrie den Radler an, als dieser an ihm vorbeifuhr, und griff zur Axt. Nach zwei Hieben ließ er von dem Radler ab. Die nun vor dem Täter liegenden Überweisung in eine Einrichtung für eine zweijährige Entziehungskur hatte ein Gutachter bei Gericht als „Chance“ für den süchtigen Täter bezeichnet.

Von Norman Reuter

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