Zwölf Künstler zelebrierten auf sechs Bühnen in der Innenstadt Kultur in allen Facetten

Das „Ave Maria“ auf der Säge

Ruhepol-Angebot vorm Auftakt zur Straßenmeile: Organistin Jekaterina Leontjewa in St. Marien. Foto: Kaiser

Uelzen. Ein Cluster ist in der Musik das gleichzeitige Klingen mehrerer eng benachbarter Töne. Ganz viel kulturelle Zusammenballung – deshalb passt das Wort aus der Naturwissenschaft – gab es am Sonnabend zwischen 18 und 22 Uhr auf der Meile Lüneburger/Veerßer/Gudesstraße.

Bevor dort zwölf Künstler auf sechs Bühnen laut und fröhlich ihre Darbietungen zelebrierten, das Non-Stop-Programm losbrach, nutzten zahlreiche Gäste des Kulturfestes das Ruhepol-Angebot mit dem achten St.-Marien-Sommerkonzert. Es war eine Orgelstunde in Dur; Jekaterina Leontjewas Spiel war flott und fröhlich grundiert. Sie hatte Bach und Zeitgenossen mitgebracht, ehe sie über den Expressionisten Camille Saint-Saens und dessen „Karneval der Tiere“ zu Schostakowitsch, ihrer komponierenden Schwester Maria und einer Entdeckung, Naji Hakim, einem Franzosen mit syrischen Wurzeln, sprang.

In den Straßen herrschte nach dem Abendläuten von Beginn an eine angenehme Stimmung. Völkerwanderungen zwischen den Bühnen, ein Schnack, ein Glas – und viel zu sehen.

Katharina Micada verzauberte mit ihrer singenden Säge, deren Erfindung sie den Indianern zuschrieb, die Zuhörer. Das Schubertsche „Ave Maria“ – gesägt, jedoch ohne Text!

„Mama, hier ist so ein Fest in der Stadt“, rief eine vielleicht Zwölfjährige in ihr Handy. „Darf ich noch ein bisschen länger bleiben? – Ja, gegessen hab‘ ich auch schon was. Ein Eis…“ Die Mutter zeigte sich offenbar gnädig und gestattete den längeren Ausgang.

Auch Levin (6) und Melis (4) durften, weil Samstag war, mit Oma Angelika Hrubesch und Mama und Papa, Martina Kramper und Maik Hrubesch, bis zum Ende bleiben. Die jungen Eltern kamen aus Neumünster und zeigten sich sehr angetan von dem Angebot des Kulturfestes, bei dem am Wochenende auch das Wetter kompatibel blieb.

Artistik gab es und Zauberei. Hoch am Trapez thronte Katrina mit Eleganz, Grazie und Körperbeherrschung. Antje Pode faszinierte mit ihrem Auftritt, bei dem sie nach der rasanten Tanz-der-Trolle-Musik von Edvard Grieg mit Koffern eine Balance-Nummer vom Feinsten bot.

Inzwischen hatte sich die Comedy-Szene auch warm gemacht. „Guillaume le Grand“ veranstaltete sein Uelzen-Quiz und bevorzugte den weiblichen Kandidaten hemmungslos. „Was ist ein Uelzener?“, lautete die Frage. „Ein altertümliches Zahlungsmittel“ jedenfalls nicht – und kein Publikums-Joker in der Nähe!

Auf der Rathauskreuzung zog eine lange, fragile Kette aus luftig-kleinen Papierdrachen den Blick auf sich. Dazu der Schmetterlingstanz von Kerstin Wittstamm. Zwei große, weiße Stoffflügel – fertig war ein poetisches, zerbrechliches Gewirbel.

Ganz viel los also am zweiten Wochenende des Kulturfestes, manchen Veranstaltungen am Rande gingen auch deshalb die Zuschauer aus. Aber als sich zur beginnenden Nacht die drei Komponenten Wasser, Licht und Musik aufs Schönste mischten, blieben nur Freude und Staunen...

Von Barbara Kaiser

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