Australier radeln auf Europa-Tour durch Uelzen, die Heide und die Altmark

Deutschland ist „really cool!“

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Normalerweise sind John Douglass (links) und Shane Martin mit ihren Rädern an der Pazifikküste Australiens unterwegs. Zur Zeit radeln sie von Berlin nach Amsterdam und machten gestern in Uelzen Rast.

Uelzen. Sie kommen aus dem Bundesstaat Queensland in Australien, leben in einem Ort mit dem klangvollen Namen Sunshine Coast oder unweit des Great Barrier Reefs. Und sie haben die Strände des Südpazifiks vor der Nase.

Kurzum: Die beiden Australier Shane Martin und John Douglass leben da, wo es zahllose Deutsche und andere Touristen hinzieht.

Kaum zu glauben, dass die beiden Männer total fasziniert durch die Lüneburger Heide radeln. Sie schwärmen bei ihrem Stopp im Schatten von Bäumen an der Groß Liederner Straße in Uelzen von Land und Leuten in Berlin und Potsdam, Genthin und Otternburg: „Der Campingplatz in Bergen an der Dumme war super“, meint John – obwohl sie nachts von einem Hirschen geweckt wurden, der dicht an ihre Zelte herankam. „Aber“, so der 33-Jährige, „das hat uns keine Angst eingejagt – wir haben in Australien viel gefährlichere Tiere, beispielsweise giftige Schlangen und Spinnen.“

Hin und weg sind die beiden von der benachbarten Hansestadt: „Salzwedel – that was a cool city!“ Zwar hätten sie sich dort ziemlich verfranst, die Pizza und das Bier hätten vorher aber umso besser geschmeckt.

Die Räder, auf denen sie innerhalb von drei Wochen die Strecke von Berlin nach Amsterdam zurücklegen wollen, haben sie von zuhause mitgebracht. Besonders auffällig: Die fetten Reifen, auf denen Shane unterwegs ist: „Das sind 4,6-Zoll-Reifen, damit fahre ich zuhause über den Strand und auf Feldwegen. Auch für Schnee sind die geeignet und es ist gar nicht so anstrengend, damit zu fahren, wie man vielleicht denkt“, erklärt der 34-Jährige.

Mit dicken Reifen haben beide in ihrer Heimat auch beruflich zu tun: Shane zeigt auf dem Smartphone ein Bild von sich, das ihn vor einem Liebherr T 282 zeigt: Dem „größten Muldenkipper der Welt“, mit den er tagtäglich im Kohleabbau fährt. Er sieht auf dem Bild sehr klein aus. „Zehn Meter sind nicht genug“, sagt er zur Höhe des Fahrzeugs, um die Dimensionen klarzustellen.

Vielleicht ist es auch dieser Job, der ihn und John die Tour genießen lässt. „Really cool“ sei es in Deutschland und insbesondere die ländlichen Gegenden mit dem vielen Grün und historischen Gebäuden gefalle ihnen auf ihrem Europa-Trip.

Ihren Weg finden sie noch klassisch mit Straßenkarten, ansonsten haben in den für ihre Räder angepassten Taschen neben Werkzeugen, Kleidung, Ersatzteilen und warmen Sachen auch Smartphone samt Halterung, eine Kamera für Fotos und Videos sowie ein Lautsprecher für Musik ihren Platz.

Uelzen wollen sie in guter Erinnerung behalten, schließlich hätten sie hier Dank des schönen Wetters erstmals auch leichter bekleidet radeln können. Die Uhlenköperstadt verlassen sie in Richtung Oldenburg. Dann müssen sie die Deutschland-Karte irgendwann gegen eine von den Niederlanden tauschen: Groningen – Wohnort einer Freundin und nach ihrer Einschätzung „Fahrradhauptstadt der Welt“ – und schließlich Amsterdam sind für sie noch zwei wichtige Stationen auf ihrer Reise. Danach fliegen sie wieder zurück zu Schlangen und Spinnen, Pazifik, Stränden, Great Barrier Reef – und dem Muldenkipper Liebherr T 282.

Von Steffen Kahl

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