Familienministerin Schwesig fordert späteren Unterrichtsbeginn

Ausgeschlafen in die Penne? Schüler fühlen sich übergangen

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Die Leistungsfähigkeit von Kindern und Jugendlichen steigert sich nach dem Aufstehen erst allmählich. Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) fordert daher, dass der Unterricht morgens erst später beginnt.

sob/dpa Uelzen/Landkreis. Für Schüler strukturiert es den Tag wie kaum etwas anderes: Etwa zwischen 7.30 und 8.30 Uhr wird an den hiesigen Schulen die erste Unterrichtsstunde eingeläutet.

Bereits zur Fußball-WM im vergangenen Jahr wurde niedersachsenweit darüber diskutiert, den Unterricht vorübergehend später zu beginnen.

Nun, etwa ein Jahr später, fordert Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD), den Unterrichtsbeginn generell zu verschieben. „Viele Familien wünschen sich die Entschleunigung morgens“, sagte Schwesig gegenüber Medien. Für ihren Vorschlag sprechen zahlreiche Studien-Ergebnisse, die zeigen, dass sich die Leistungsfähigkeit von Kindern und Jugendlichen am Morgen erst langsam steigert.

Wie das Niedersächsische Kultusministerium (KMK) mitteilt, ist die Idee „kein Thema, das ernsthaft an niedersächsischen Schulen diskutiert wird“. Wann der Unterricht an den Schulen beginne, liege in deren Eigenverantwortlichkeit. Schulen könnten daher, „– wenn gute Gründe dafür sprechen – selbst im Schulvorstand über den Unterrichtsbeginn entscheiden“. Dabei müssten jedoch unter anderem die Wünsche der Eltern und auch die Möglichkeiten der Schülerbeförderung einbezogen werden.

Uelzens Kreiselternratsvorsitzender Mike Finke spricht sich dafür aus, die Tagesstruktur der Kinder verstärkt in den Blick zu nehmen, insbesondere hinsichtlich des Ganztagsunterrichts. Neben dafür notwendigen Veränderungen in der Schülerbeförderung und den Lehrerarbeitszeiten sieht er auch in der Arbeitszeit der Eltern Probleme. „Wir reden nicht von zwei Stunden Verschiebung“, betont er. Bislang gingen Schüler jedoch teilweise um 6 Uhr aus dem Haus, um rechtzeitig die Schule zu erreichen. Das sei zu früh.

Aus Sicht des Arbeitgeberverbandes Lüneburg-Nordostniedersachsen ist die Idee weder zu Ende gedacht noch realisierbar. Es sei eine Sache der Schule, Klausuren und „schwierige Fächer“ nicht gleich in der ersten Unterrichtsstunde unterzubringen. „Da muss man das ganze System doch nicht gleich ändern“, meint Hauptgeschäftsführer Bernd Wiechel. Was eine erforderliche Anpassung der Arbeitszeit betrifft, ist für ihn klar: „Wir haben unsere Arbeitszeiten. Das bleibt dann bei den Eltern hängen.“

Und was sagen die Schüler dazu? „Der Unterricht sollte keinesfalls nach hinten verschoben werden. Es gibt nur Nachteile für den Schüler“, schmettert Jan Boris Willhöft, Vorsitzender der Schüler Union (SU) Uelzen, die derzeit über 50 Mitglieder zählt, den Vorschlag ab. Um nur einige zu nennen: Durch die Verschiebung hätten Schüler weniger Zeit für Familie, Freunde, Hobbies und einen eventuellen Nebenjob. Außerdem solle die Schule auf die spätere Arbeitszeit vorbereiten, in der man schließlich häufig noch früher aufstehen müsse.

Jan Boris Willhöft hat dagegen einen ganz anderen Wunsch: „Schön wäre es, wenn wir mal gefragt werden, was wir wollen“, sagt der Berufsschüler.

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