Kreatives Werben um Fachkräfte

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Experimente und Arbeitsproben luden zum Austausch ein. Von links: Lars Spacht, Onno Lenz und Ina Hinrichs.

Uelzen. 1566 unvermittelte Jugendliche stehen im laufenden Ausbildungsjahr 2012 rund 2581 unbesetzten Lehrstellen gegenüber – die Zahlen der Bundesagentur für Arbeit für den niedersächsischen Ausbildungsmarkt sprechen für sich: Der Fachkräftemangel macht auch vor Uelzen nicht halt.

Am gestrigen Mittwoch erhielten angehende Auszubildende und Vertreter regionaler Unternehmen deshalb die Möglichkeit, sich im Rahmen der jährlich stattfindenden Ausbildungsbörse zu „beschnuppern“ – zu werben, informieren und vielleicht sogar das eine oder andere Ausbildungsverhältnis einzugehen. Dabei klagten vor allem Ausbilder technischer Berufe, wie die Uelzena eG, über verhaltene Nachfrage: „Man muss ordentlich etwas tun, um Bewerbungen zu bekommen“, weiß Industriekaufmann Mirko Peters und hofft, möglichst viele Schüler für das Ausbildungsangebot des Milchverarbeitungsbetriebs begeistern zu können. Da hieß es kreativ zu sein: Die Aussteller warben mit verschiedenen und teilweise ausgefallenen Experimenten, mit Arbeitsproben und Anschauungsmaterial um die Aufmerksamkeit der potenziellen Azubis. Da wurden Bäume gesägt, Reagenzgläser befüllt, Computer zerlegt und Brötchen gebacken – das alles mit dem Ziel, besonders auch neuen oder mit Vorurteilen behafteten Berufen wie dem Müller, dem Berufskraftfahrer und dem Milchtechnologen zu mehr Interesse zu verhelfen.

Warum besuchst du die Ausbildungsbörse?

Warum besuchst du die Ausbildungsbörse?

Christian Kammeier, Auszubildender der Firmen Exabyters Multimedia und PC-Experte, führt den Notstand auch auf die geburtenschwachen Jahrgänge zurück, die sich langsam in einem Mangel an Bewerbern niederschlügen. Seine „Leidensgenossin“ und Personalreferentin der Firma Deerberg, Claudia Stede, zum Thema Fachkräftemangel: „Zwar gehen auch die Schulnoten nach unten, die sind für uns aber längst nicht alles.“ Auch gute Umgangsformen und Interesse am Betrieb seien gewünscht und daran mangele es nur allzu häufig.

„Außerdem“, beklagt Diplom-Ingenieur Sebastian Stark, „ist es heute mehr gefragt, am Computer zu arbeiten, als draußen mit der Schaufel am Werk zu sein.“ Aus welchen Gründen auch immer – zu spüren bekamen alle Unternehmen die aktuellen Entwicklungen auf dem Ausbildungsmarkt. Einzig die Bundeswehr erfreute sich einer großen Bewerberzahl. Im Sanitätsdienst, erzählt Karriereberater Frank Bischoff, könne man außerdem mittlerweile einen Frauenanteil von mehr als 60 Prozent verzeichnen.

Beim Zerlegen eines Computerlaufwerks: Christian Kammeier

Dass aber so viele, besonders gewerblich-technische Berufe, über einen Bewerbermangel klagen, geht auch aus einer Bilanz der Ausbildungsmarktpartner hervor, die die Regionaldirektion Niedersachsen-Bremen kürzlich veröffentlichte. Demnach hat die Zahl der Ende September noch unbesetzten Lehrstellen seit 2011 um 5,8 Prozent zugenommen. Was also tun, um den Entwicklungen zu begegnen? Das Mode- und Versandhaus Deerberg beispielsweise lädt zum „Speed-Dating“ ein. Interessierte erhalten so die Möglichkeit, sich dem Betrieb persönlich vorzustellen. Dr. Oliver Brand, Projektmanager Logistik bei der Süderelbe AG, bemüht sich außerdem um den Kontakt zu Lehrern und veranstaltet regelmäßig den „Tag der Logistik“, um Schülern die Möglichkeit zu geben, unverbindlich die Vorgänge in einem Logistikunternehmen zu verfolgen. Und auch hier heißt es wieder: „Der Abschluss allein ist nicht entscheidend.“

Fazit: Jugendliche sind gut beraten, ein Auge besonders auf gewerblich-technische Berufe zu werfen und sich vor Ort ein Bild von den hiesigen Betrieben zu verschaffen. Sind Engagement und Interesse vorhanden, ist die Chance auf einen Ausbildungsplatz derzeit groß.

Von Anna Petersen

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