Anlieger fürchten Wertverlust nach Festlegung der Überschwemmungsgebiete

Aufstand der Albertstraße

Die Überschwemmungsgebiete entlang der Ilmenau sind umstritten. Foto: phs

Uelzen. Die Albertstraße macht mobil: Wegen einer neuen Festsetzung des Überschwemmungsgebietes entlang der Ilmenau sorgen sich rund 30 Anlieger der Albertstraße in Uelzen um ihre Zukunft.

Da ihre Grundstücke zu Überschwemmungsflächen erklärt werden sollen, sinkt deren Wert, fürchten sie. Die betroffenen Anlieger fordern Klartext und haben den niedersächsischen Umweltminister Stefan Birkner um Hilfe gebeten.

Der Landesbetrieb für Wasserwirtschaft plant, noch in diesem Jahr Karten, auf denen das neu ausgewiesene Überschwemmungsgebiet an der Ilmenau von Uelzen bis Lüneburg sowie an den Unterläufen von Gerdau, Hardau und Stederau eingetragen ist, durch Veröffentlichung im Ministerialblatt vorläufig zu sichern. Eine Beteiligung der Anwohner ist anschließend im Rahmen eines öffentlichen Verfahrens zur endgültigen Festsetzung bis Ende 2013 vorgesehen – nach Ansicht von Stefan Maurer von der Anlieger-Initiative zu spät. Er fordert eine „befriedigende Lösung“ vor der ersten Veröffentlichung.

Die Verwaltung habe sich auf Nachfrage der Anlieger bedeckt gehalten, kritisiert Maurer. „Man will mich vor Hochwasser schützen, indem man mich enteignet“, ärgert er sich, denn er vermutet, dass nach Festlegung der neuen Hochwasserlinie die bebauten Grundstücke „auf Gartenlandniveau“ entwertet werden. Zudem könnten Probleme mit Gebäudeversicherern beim Schutz gegen Elementarschäden und bei Neubau nach Brandschäden drohen. „Ich bitte um Verständnis, dass zu der möglichen Werteentwicklung von Immobilien keine Aussagen gemacht werden können“, teilt der Landesbetrieb den Anwohnern auf eine Reihe von Anfragen in einem Schreiben mit, das der AZ vorliegt. Daher hat sich die Interessenvertretung an die Bundestagsabgeordneten für den Wahlkreis Celle/Uelzen gewandt, heute lädt Kirsten Lühmann (SPD) die Anwohner zum Gespräch ein.

Bei der Festlegung der Hochwasserlinie im Jahr 2001 waren die bebauten Gebiete außen vor gelassen worden, erläutert Baudezernent Frank Peters auf AZ-Nachfrage. Als einen Baustein im Hochwasserschutz lässt das Land Überschwemmungsgebiete neu berechnen. Für den Landesbetrieb hat ein Hamburger Ingenieurbüro die Pläne überarbeitet, die nun mit der Unteren Wasserbehörde beim Landkreis abgestimmt werden. Die neuen Grenzen ergeben sich aus einem Hochwasser, das statistisch alle hundert Jahre zu erwarten sei, erläutert Peters. Im Jahr 1944 habe es das letzte große Hochwasser gegeben.

Ob sich deshalb auch für den Bauplan des Marktcenters etwas ändert, der bislang auf Grundlage der Verordnung von 2001 genehmigt wurde, ist offen. Bevor ein neuer Bauplan genehmigt werde, würde auch dieser Aspekt individuell geprüft, so Peters. „Ich will nicht gegen das Marktcenter schießen, aber ich fordere, dass alle Eigentümer von gewerblichen und privaten Gebäuden das gleiche Recht haben“, sagt dazu Maurer. Die Grundstücke an der Albertstraße dürften nicht zur Hochwasser-Ausgleichsfläche fürs Marktcenter-Gelände erklärt werden.

Auf der Sitzung des Umweltausschusses der Stadt am Donnerstag, 8. November, um 18 Uhr im Ratssaal des Uelzener Rathauses informiert der Landesbetrieb über dieses Thema.

Von Diane Baatani

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