Schwimmeister können sich den erfrischenden „Köpper“ zwischendurch nicht leisten

Aufsicht und Animateur in einem

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Der Uelzener Schwimmeister Thomas Meyer im Badue pendelt ständig zwischen den Anzeigen der Chlorwerte, den Becken und der Liegewiese. Und obendrein muntert er auch schon mal die Kinder zum Platschen auf.

Uelzen/Rosche. Unaufhörlich kletterte das Quecksilber am Wochenende neuen Hitzerekorden entgegen. Auch in den Freibädern des Kreises ging es in den letzten beiden Tagen hoch her.

Da muss es sich doch um einen Traumjob handeln, wenn man bei diesen Temperaturen seinen Beruf in kurzer, luftdurchlässiger Bekleidung ausüben kann, von einem schattigen Plätzchen aus das Treiben im Becken beobachtet und ab und zu ein lautes „Vorsicht!“ oder mahnende Worte von sich gibt.

Weit gefehlt. „Den Macho mit sonnengebräuntem Oberkörper und Goldkettchen gibt es nicht mehr“, sagt Thomas Meyer vom Uelzener BADUE, der hier seit 1996 seinen Dienst als Schwimmmeister versieht. „In manchen Freibädern führte sich der Bademeister vielleicht mal wie ein Sheriff auf“, ergänzt er und beugt sich im Aufsichtsraum über einen Monitor. Hier laufen alle technischen Daten zusammen, die beim Überschreiten bestimmter Werte ein Handeln notwendig machen.

Im Roscher Freibad geht es bei den hohen Temperaturen heiß her. Der Schwimmeister muss hier immer aufpassen, dass die Sicherheit der Gäste gewährleistet ist.

Thomas Meyer übt seinen Beruf gern aus. Aber Traumjob? An solchen „Großkampftagen“ kommen an die 2500 Besucher ins Uelzener Bad. Mit drei weiteren Mitarbeitern der Stadtwerke hält er an solchen Tagen den Betrieb aufrecht. Dazu gehört nicht nur die Aufsicht über das badende Volk. Der Wasseraustausch wird bei extremer Hitze erhöht, die Chlorwerte ständig beobachtet und der Reingehalt des Wassers überwacht. Im ständigen Wechsel geht es von der Aussichtsplattform an die Becken, in den Technikraum oder auch über die Liegewiese. Hier wird dann schon mal auf die Gefahren eines Sonnenbrandes oder anderer möglicher Hitzebeschwerden hingewiesen. „Im Grunde verhalten sich die Leute aber ruhig, freuen sich einfach über das schöne Wetter“, meint Thomas Meyer und fordert im Kinderbecken kleine Badegäste zum Plantschen auf. „Animateure sind wir natürlich auch.“

Etwas beschaulicher geht es im Roscher Freibad zu. Aber auch hier waren die Besucherzahlen am Wochenende weit über dem Durchschnitt. Schwimmmeister Rüdiger Lohse trägt einen riesigen Strohhut und hat von einem leicht erhöhten Stuhl einen Blick über beide Becken. „Außergewöhnliche Temperaturen verlangen außergewöhnliche Kräfte“, schmunzelt er und hat in diesen Zeiten mit Vor- und Nacharbeiten schon mal einen 16-Stunden-Tag. Gute Besuchszahlen verlangen auch von ihm ein Mehr an Aufmerksamkeit und ständige Präsenz. „Da ist nichts mit einem Käffchen zwischendurch, und die ganze Zeit hofft man, dass einem die Technik keinen Strich durch die Rechnung macht“.

Zur Abkühlung mal einen kleinen „Köpper“ ins Wasser? Das gab von beiden Schwimmmeistern einen fast schon strafenden Blick. Das sehen beide als Verletzung ihrer Dienstausübung an. Bei der Hitze hält sich auch die „Aufsicht“ mit Wassertrinken fit, sucht ab und an Schatten auf und trägt eine Kopfbedeckung.

Von Ulrich Bleuel

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