Imker beklagen Einbußen durch Silobrand bei Nordzucker / Forderung nach höherer Entschädigung

Aufregung um schwarzen Honig

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Bienenvölker haben den verunreinigten Zucker mit zu ihren zum Teil mit Honig gefüllten Waben geschleppt. Der Honig wurde so ungenießbar. Und es nicht ausgeschlossen, dass auch die Tiere Schaden nahmen.

Uelzen/Bad Bevensen. Imker müssen bei ihrem Hobby Geduld zeigen und Ruhe bewahren. Doch derzeit sind Halter von Bienenvölkern im Landkreis Uelzen in Rage, wie Eckhard Alvermann, Vorsitzender des Imkervereins Bad Bevensen, erklärt.

Sie fürchten den Verlust ihrer Völker, beklagen Einbußen bei der Honigernte und sehen sich vom Unternehmen Nordzucker nicht ausreichend entschädigt – denn Schuld an der von Imkern beschriebenen Misere ist der Brand auf dem Gelände der Nordzucker-Fabrik im Juni.

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Bei dem Feuer war das Dach eines mit 40 000 Tonnen Zucker gefüllten Silos in den Beton-Trichter gestürzt. Die süße Masse wurde dabei verunreinigt. Hungrigen Bienen erschien in den nächsten Wochen das Silo als attraktive Nahrungsquelle, wie Alvermann berichtet. Vom Geruch angelockt, schleppten sie den verbrannten Zucker in ihre zum Teil noch mit Honig gefüllten Waben. Was zum Verzehr für Menschen gedacht war, wurde ungenießbar. Schlimmer noch als der Verlust des Honigs sei, dass Bienenvölker selbst durch den verunreinigten Zucker Schaden genommen haben könnten, sagt Alvermann. Nach Auskunft des Instituts für Bienenkunde beim Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit hätten die Bienen durch den Verzehr des schwarzen Zuckers nur eine geringe Lebenserwartung und würden den Winter nicht überleben, so der Bevenser Bienenhalter. 38 Imker aus dem Landkreis und 400 Bienenvölker mit mehreren zehntausend Tieren sind betroffen.

Angesichts des Schadens, sagt Alvermann, sei die von Nordzucker zugesagte Entschädigung von rund 150 Euro pro Bienenvolk zu gering.

Eigentlich müsste das Unternehmen 300 Euro pro Volk zahlen, damit die Imker nicht am Ende doch noch draufzahlen.

Nordzucker sieht die Entschädigung als angemessen an. Es habe viele Gespräche mit Vertretern der Imkerschaft gegeben, nach denen nun im Dezember das Angebot für alle betroffenen Bienenhalter unterbreitet worden sei, so Firmensprecherin Tanja Schneider-Diehl. Das Angebot bestehe nicht nur aus 153 Euro für jedes Bienenvolk, sondern auch aus einer einmaligen Zahlung von 100 Euro je Imker. „Zusätzlich spendet die Nordzucker AG einen Einmalbetrag in Höhe von 2000 Euro an den Kreisimkerverein. Das Gesamtpaket finden wir fair und ausgewogen.“

Mit Nordzucker verhandelt hat unter anderem Kreisimker Hermann Hilmer. Er sagt: Sicher wäre es wünschenswert gewesen, wenn es eine weitergehende Entschädigung gegeben hätte. Hilmer berichtet, dass ein Bienenvolk mit etwas 20 000 Tieren im Einkauf zwischen 120 und 140 Euro koste. „Die Imker beklagen den Ausfall des Sommerhonigs, in manchen Fällen auch des Heidehonigs. Bienenhalter mussten sich zudem andere Stellplätze suchen, was Transportkosten verursachte.“ Um weiteren Schaden zu verhindern, war eine Bannmeile zehn Kilometer um das Silo errichtet worden. Er habe gegenüber Nordzucker dies alles vorgebracht, letztlich habe es dieses Angebot gegeben. Aber er wisse auch nichts von einer Schar von Imkern, die erbost seien.

Nordzucker verweist darauf, dass die Schäden für Imker nur indirekt Folgen des Brandes seien, versicherungstechnisch stelle dies höhere Gewalt dar, weshalb es auch keine Zahlungsverpflichtung gebe. Eckhard Alvermann sagt, mit diesem Argument würden die betroffenen Imker unter Druck gesetzt und zu einem Vergleich gezwungen. Es bleibe noch der Klageweg. „Aber wer von den Imkern hat das Geld, um auf eigene Kosten gegen den Konzern zu klagen?“, fragt der Bad Bevenser.

Von Norman Reuter

Video: Silo-Brand bei Nordzucker

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