Junge Tuning-Fans trainieren beim Track & Safety Day im Fahrsicherheitszentrum Embsen bei Lüneburg

Aufmotzen ja – aber sicher und legal

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Im betagten Porsche geht es auf feuchter Fahrbahn durch den Hütchen-Slalom. Manchmal hilft auch dem Fahrer eines spurtstarken Wagens nur: bremsen.

mki Embsen. Die Luft flirrt über dem Asphalt des ADAC-Fahrsicherheitszentrums Embsen. Ein veneziablauer Porsche Carrera 911 G fährt Slalom um die rot-weißen Pylonen.

Track & Safety Day im Fahrsicherheitszentrum Embsen. Michael Gay erklärt die richtige Lenkradhaltung.

Als er plötzlich das „rechte Bein hebt“, sieht sich Michael Gay gezwungen, ruhig aber entschieden einzugreifen: „Wenn so etwas passiert, gilt es den Rat der Apotheken-Zeitung zu beachten“, gibt der Fahrinstruktor via Funk ins Cockpit des 231 PS-starken Elfers zu bedenken. „Und das heißt: Bremsen!“.

Der selbst etwas erschrockene Pilot tritt mächtig in die Eisen –– aber nur ganz kurz. Schon in der Anfahrt zur nächsten Kurve beweist der 35-jährige Dennis Schwier seinen Team-Kameraden und seinem berichtenden Beifahrer eindrucksvoll, zu welchen Beschleunigungswerten sein nur sieben Jahre jüngerer, vielfach getunter Bolide fähig ist. Wenig später werden die Verzögerungsfähigkeiten der beiden Senioren im Teilnehmerfeld noch einmal auf die Probe gestellt: Da der Porsche-Oldie noch kein Antiblockiersystem (ABS) besitzt, muss der „schon immer autoaffine“ Cuxhavener beim Umkurven der kleinen Pylonen auf nassglatter Fahrbahn mit der berühmt-berüchtigten Stotterbremse arbeiten. „Aber immer mit mindestens einer halben Sekunde Pause treten“, ermahnt Gay, „sonst bringt das nichts.“

Polizist Bernd Friedrichs: „Frauen mögen überhaupt keine Machos am Steuer – sie wollen weiche, verständnisvolle Männer.“

Motorsport-Freak Schwier steht auf getunte Autos. Da das „Aufmotzen“ besonders unter jungen, noch unerfahrenen und deshalb unfallträchtigen Führerschein-Neulingen beliebt ist, bietet die Initiative „Tune it! Safe!“ in Zusammenarbeit mit dem Bundesverkehrsministerium erstmalig in insgesamt acht deutschen Städten ein Fahrsicherheitstraining für diese sogenannte „Risiko-Zielgruppe“ an – angereichert mit Workshops und Vorträgen über legale Tuning-Maßnahmen und den Einsatz im Straßenverkehr.

Beim Tour-Auftakt in Lüneburg am Sonntag macht Oberkommissar Bernd Friedrichs von der Polizeiinspektion Lüneburg/Lüchow-Dannenberg/Uelzen deutlich, dass die Gesetzeshüter durchaus zwischen Rasern und Tunern differenzieren und ein technisch verändertes Fahrzeug zu fahren nicht automatisch bedeute, einen Verstoß zu begehen. Gleichzeitig aber warnte er eindringlich vor den Gefahren und rechtlichen Folgen des illegalen Ein- und Umbaus von Teilen ohne Allgemeine Betriebserlaubnis (ABE), Gutachten und Prüfgenehmigung. Und Friedrichs räumt mit einem unter Straßen-Rambos verbreiteten Missverständnis auf: „Frauen mögen überhaupt keine Machos am Steuer – sie wollen weiche, verständnisvolle Männer und keine Typen, die an jeder Ecke Stress mit der Polizei kriegen.“

Tuning-Fans trainieren beim Track & Safety Day in Lüneburg

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