Fleisch falsch ausgezeichnet

Aufklärung nach Neuland-Skandal gefordert

BAD BEVENSEN/VARENDORF - Die Vorgänge um Neuland-Geflügel konsequent aufdecken, Missstände und Fehler transparent machen und rasch die notwendigen Konsequenzen daraus ziehen – das fordert der Varendorfer Eckehard Niemann, Sprecher der Arbeitsgruppe bäuerliche Landwirtschaft Niedersachsen/Bremen, kurz AbL, nach dem Fleischskandal bei Neuland.

Kurz vor Ostern war bekannt geworden, dass ein Geflügellandwirt aus Wietzen über Jahre Fleisch von konventionell gehaltenem Geflügel als Neuland-Fleisch ausgegeben haben soll. Dieses Geflügelfleisch soll über die Neuland-GmbH Bad Bevensen an die Konsumenten in Norddeutschland vertrieben worden sein (AZ berichtete).

In Sorge um die Glaubwürdigkeit des Neulands-Konzepts sowie seiner Trägerverbände appellieren einige Mitglieder der AbL, die selbst neben dem BUND und dem Deutschen Tierschutzbund einer der Träger Neulands ist, an die Verantwortlichen bei Neuland und dessen Trägerverbände, „für eine rasche Aufdeckung der Vorgänge und der Verantwortlichkeiten beim Betrug mit Neuland-Geflügelfleisch zu sorgen, diese zu veröffentlichen und die notwendigen Konsequenzen daraus zu ziehen“, teilt Niemann mit.

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In einem mehrseitigen Fragenkatalog an Neuland fordern die Vertreter der AbL Aufklärung über den Betrug um das Neuland-Gütesiegel: Seit wann ist der Wietzener Landwirt Mitglied bei Neuland? Wer kontrollierte wann die Zahl der Tiere, die Art der Haltung, die Schlachtung, die Schlachtanlage und die Lieferungen – das sind nur einige Aspekte, die öffentlich erklärt werden sollen. Nötig ist zudem laut AbL die ergebnisoffene Prüfung der Frage, ob Verbände die Trägerschaft und damit auch eine Mitverantwortung für wirtschaftliche Unternehmen übernehmen könnten, deren Alltagsgeschäft sie nicht wirklich selbst kontrollieren könnten.

Denkbar seien auch andere Formen einer Unterstützung von Neuland oder anderen Projekten. Die Verbraucher seien nach den Betrugsvorwürfen aufgerufen, gerade jetzt die vielen ehrlichen Neuland-Bauern zu unterstützen. Zum Hintergrund: Der Verein Neuland steht seit seiner Gründung 1988 für eine soziale, qualitätsorientierte, tiergerechte und umweltschonende Tierhaltung mit hoher Transparenz. Die Bevenser Traditionsfleischerei Hencke, die direkt neben dem Neuland-Standort ihren Sitz hat, schlachtet seit 2000 für die Neuland Produktvermarktung GmbH.

Hencke-Geschäftsführer Andreas Hencke sprach vergangene Woche – angesprochen auf den Betrugsvorwurf bei Neuland – gegenüber der AZ von einem „Einzelfall“. Der Traditionsschlachter werde an dem Konzept Neuland festhalten. - Von Wiebke Brütt

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