Polizei: „Lage in Uelzen ruhig“/ Credo: Nichts verheimlichen, nicht dramatisieren

Auffällig oder nicht? So kriminell sind Flüchtlinge in Uelzen

+
Ankunft von Straftätern? Nur eine Anzeige, wegen Diebstahls, meldet die Polizei für die Notunterkunft Lessing-Halle.

Uelzen. Silvester. Zahlreiche sexuellen Übergriffe in Köln und Hamburg. Danach grassiert Angst, gedeiht ein anderes, negativeres Bild von Flüchtlingen. Wie sieht es in Uelzen aus? Sind Flüchtlinge kriminell? Die AZ hat nachgefragt.

Die grundsätzliche Einschätzung der Polizei ist, dass Flüchtlinge „nicht überproportional“ an Straftaten beteiligt sind. Genauere Aussagen zu treffen, fällt Kai Richter, Sprecher der Polizei, aber aufgrund der Gegebenheiten schwer. Erst seit November könnten Beamte bei Straftaten vermerken, dass ein Täter Flüchtling ist. Eine exakte, vollständige Auswertung, so Richters Auskunft, sei zumindest kurzfristig nicht möglich.

Aber eine polizeiliche Analysestelle kann Straftaten nach Adressen auswerten. Auf Nachfrage teilt die Polizei mit, dass an den Adressen der beiden Uelzener Notunterkünften Pestalozzi-Halle und Lessing-Halle fünf, beziehungsweise eine Straftat verübt wurden.

Im Detail heißt das: Eine Bedrohung, ein Diebstahl, eine Falschbeurkundung, eine Sachbeschädigung und eine Körperverletzung am Emsberg (Pestalozzi-Halle). Dazu komme ein Diebstahl am Ilmenauufer (Lessing-Halle). Nicht bei allen Vergehen sei aber klar, dass sie von Bewohnern der Unterkünfte verübt wurden, so Richter.

Im Übrigen sei die Polizei täglich in den Notunterkünften gewesen. Zum einen, um Präsenz zu zeigen, zum anderen, weil es neben den genannten Straftaten auch Streitigkeiten gegeben habe: Betrunkene, die „Rabatz gemacht“ hätten, sonstige gewaltsame Auseinandersetzungen, außerdem Fälle von häuslicher Gewalt.

Der Tenor: Die Beamten haben oft beruhigt und geschlichtet, wie sie es in vergleichbaren Situation immer machten. Auch sei im Kreisgebiet durchaus mal ein Flüchtling bei einem Ladendiebstahl erwischt worden, aber das würde „Oma Meier“ auch.

Die Pressearbeit der Polizei beschreibt Richter als offensiv. „Wir wollen nichts beschönigen, aber auch nicht dramatisieren.“ Als Beispiel dafür, dass die Polizei offen damit umgehe, wenn Flüchtlinge „in besonderem Maße auffällig“ würden, nennt Richter die polizeiliche Öffentlichkeitsarbeit um die Ereignisse in der Bad Bevenser Sammelunterkunft „Villa am Park“ – die Vergehen dort reichten bis zu einem versuchten Totschlag (AZ berichtete).

Einen weiteren Artikel lesen sie am Mittwoch im E-Paper und in der Printausgabe der AZ.

Kommentare