Wissenschaftsministerin spricht von über 15 Prozent

Leuphana-Universität: Audimax wird doch teurer

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Beeindruckend ist die Baustelle für das neue Audimax der Leuphana-Universität Lüneburg. Schlagzeilen macht es vor allem durch Kostensteigerungen.

Lüneburg. „Kosten und Bauzeit für das neue Zentralgebäude der Leuphana-Universität Lüneburg liegen im Plan.

“ Noch im August wies die Pressestelle der Hochschule Berichte über eine neuerliche Kostensteigerung auf Lüneburgs bekanntester Baustelle gegenüber der AZ zurück. Gestern musste Wissenschaftsministerin Gabriele Heinen-Kljajic (Grüne) im Haushaltsausschuss des Landtags einräumen, dass der futuristische Neubau an der Uelzener Straße mit großer Wahrscheinlichkeit doch teurer wird – und zwar um mehr als 15 Prozent.

Obwohl die Ministerin der Universität bereits 2013 einen externen Projektsteuerer und Einsparungen verordnet hatte, warnte die Oberfinanzdirektion Niedersachsen bereits 2014 vor weiteren finanziellen Risiken von 91 Millionen Euro. Gestern kündigte Heinen-Kljajic an: „Laut dem jetzt vorgelegten Statusbericht ist absehbar, dass eine weitere Nachtragsplanung vorgelegt wird.“ Die zuletzt genehmigten Kosten von 72,3 Millionen Euro könnten in den kommenden Wochen auf rund 83 Millionen Euro anwachsen.

Dennoch versucht die Ministerin, im dritten Statusbericht zu dem Prestigprojekt des Stararchitekten Daniel Libeskind eher das Positive zu betonen: „Die von uns eingeführte enge interne und externe Begleitung des Bauprojekts zeigt Wirkung. Diese Maßnahmen haben dazu geführt, dass der Bauablauf derzeit stabil ist und Schwierigkeiten im Vorfeld erkannt werden“, so Heinen-Kljajic. Dem NDR sagte sie: „Dass es teurer werden würde, verwundert niemanden. Aber es sind jetzt Kostenentwicklungen, die kalkulierbar sind.“

Die Hochschule selbst mochte sich nicht zu den neuen Zahlen äußern. „Da die Befassung in nicht-öffentlicher Sitzung stattfand, wird die Universität dazu keine Stellungnahme abgeben oder sich an Spekulationen beteiligen“, antwortete Uni-Sprecher Henning Zühlsdorff auf AZ-Anfrage. Und fügte hinzu: „Die Leuphana beabsichtigt, im Einvernehmen mit dem Niedersächsischen Wissenschaftsministerium, dem Land zum Frühjahr 2016 eine Nachtragsbauunterlage vorzulegen, in der detailliert auf Kostensituation und Finanzierung der Baumaßnahme eingegangen wird.“

Der Neubau mit der markanten Kiel-Form sollte ein Symbol für die unter Präsident Sascha Spoun und seinem Vize Holm Keller neu aufgestellte Universität werden, tatsächlich bescherte es negative Schlagzeilen. Als die Baukosten 2013 von veranschlagten 58 auf 92 Millionen Euro hochgeschnellt waren, zog die Wissenschaftsministerin die Reißleine. „In allen Bereichen wurde schöngerechnet und von üblichen Standards abgewichen“, hieß es damals aus dem Ministerium. Die Hochschule erklärte sich bereit, das Projekt um 3,7 Millionen Euro abspecken. Unter anderem wurde auf Kühldecken verzichtet.

Das Audimax muss bis Ende 2016 stehen, damit EU-Fördermittel fließen. Möglicherweise tröstlich: Laut Unternehmensberatung Roland Berger werden 90 Prozent aller Großprojekte deutlicher teurer als erwartet.

Von Gerhard Sternitzke

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