Creditreform präsentiert Schuldneratlas für Stadt und Landkreis Uelzen

„Auch mal Nein sagen“

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Uelzen. Die Zahl der überschuldeten Personen ist in der Stadt Uelzen zum Stichtag 1. Oktober 2011 gegenüber dem Vorjahr entgegen dem Bundes- und Landestrend weiter angestiegen.

Wie aus dem aktuellen Creditreform-Schuldneratlas hervorgeht, ist die Schuldnerquote – die Zahl der überschuldeten Personen bezogen auf die Zahl der erwachsenen Personen – gegenüber 2010 von 12,35 auf 12,40 Prozent gestiegen. Damit gelten rund 3.500 Uelzener Bürger über 18 Jahre als überschuldet und weisen nachhaltige Zahlungsstörungen auf. Die Überschuldungssituation der Verbraucher in der Stadt hat sich somit im zweiten Jahr in Folge weiter verschlechtert. Bundes- und landesweit hat die positive Konjunktur- und Arbeitsmarktentwicklung zu einem Rückgang der Schuldnerquoten geführt. Als die vier Hauptursachen für Überschuldungsprozesse gelten laut einer Pressemitteilung von Creditreform Arbeitslosigkeit, Trennung vom Lebenspartner, Krankheit und das Konsumverhalten.

„Schuldenmachen wird heute leichtgemacht“: Jennifer Bock (l.) und Therese Meyer von der Creditreform Uelzen. Foto: Becker

Der Kreis Uelzen liegt mit einer Schuldnerquote von 11,19 Prozent (Vorjahr 10,99 Prozent) an 36. Stelle im niedersächsischen Kreisranking und damit über den Quoten für Niedersachsen (10,13 Prozent) und Deutschland (9,38 Prozent). Die Entwicklung in den einzelnen Gemeinden innerhalb des Kreises Uelzen ist – bis auf zwei Ausnahmen – von einem Anstieg der privaten Überschuldung geprägt. Im positiven Sinne führend ist Wrestedt mit einer Schuldnerquote von 8,94 Prozent (Vorjahr: 8,25 Prozent). Am Ende des Rankings innerhalb des Kreises Uelzen rangiert Bad Bodenteich mit 13,26 Prozent (Vorjahr: 12,47 Prozent). Hier wird mit +0,79 Prozentpunkten auch die stärkste Zunahme gemessen. Es folgen Wrestedt und Ebstorf mit einer Zunahme um jeweils +0,69 Prozentpunkte. Lediglich Bienenbüttel (-0,15 Prozentpunkte) und Suderburg (-0,09 Prozentpunkte) weisen niedrigere Schuldnerquoten als im Vorjahr auf.

„Schuldenmachen wird heute leichtgemacht – gerade im Jugendbereich“, hebt Jennifer Bock, Kundenberaterin bei der Creditreform-Geschäftsstelle Uelzen, mahnend den Finger. In der Altersgruppe von 18 bis 24 Jahren seien die Menschen besonders gefährdet. Mangelnde Erfahrung und Wertschätzung sowie fehlendes Ehrgefühl seien ausschlaggebend für den Weg in die Schuldenfalle. „Ob der erste Handyvertrag, der Erwerb der Fahrerlaubnis oder sonstige Konsumkredite – Jugendliche und junge Erwachsene sind für das leichtfertige Schuldenmachen sehr anfällig“, ergänzt Therese Meyer, die bei der Creditreform in Uelzen für Innen- und Kundendienst zuständig ist. Wichtig sei einfach, „dass man auch mal Nein sagen muss“. Eine Forderung, die auch und gerade an die Erziehungsberechtigten gerichtet ist. Hinzu komme, dass die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinanderklaffe. „Der Mittelstand löst sich langsam auf“, sind sich Bock und Meyer einig.

Trotz der für Stadt und Landkreis Uelzen eher negativen Zahlen, sehen die Creditreform-Mitarbeiter einen positiven Trend: „Die Zahlungsmoral hat sich in jüngerer Vergangenheit verbessert. Dies ist ein Spiegelbild der Wirtschaft – es ist einfach wieder mehr Geld im Umlauf.“ Folge: „Es wird schneller und mehr bezahlt.“

Von Andreas Becker

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