Attacken nach dem Dienst

Auszug mit wehender Fahne: Gestern fuhr der Möbelwagen an der Propstei vor.

Uelzen/Landkreis - Von Marc Rath. Der Stachel sitzt offenbar tief. Mit einem Rundumschlag hat sich in dieser Woche der zum Jahresende ausgeschiedene Propst Wolf von Nordheim aus Uelzen verabschiedet. In einer Rundmail beklagt er neben „Angriffen seitens der AZ, aus der Pfarrerschaft und von Pfarrverbänden“ auch die „unentschiedene Haltung in der hauptamtlichen Mitarbeiterschaft sowie nicht mehr gegebener Unterstützung durch die Leitung der Landeskirche“. Von Nordheim: „Dies machte mir eine weitere Arbeit unmöglich.“

Unter der Überschrift „Eine Falschmeldung, zwei Halbwahrheiten, schlechte Recherche“, greift der Propst mehrfach die AZ-Berichterstattung über seine Rolle bei der Pleite der Diakonie gGmbH des Kirchenkreises an. Für ihn ist eine „Halbwahrheit“, was die AZ in ihrem Artikel über die Beendigung seines Disziplinarverfahrens vorigen Sonnabend komplett aus der Pressemitteilung der Landeskirche zitiert hatte: „Die Disziplinarkammer hat dabei zwar einen Verstoß gegen haushaltsrechtliche Überprüfungspflichten festgestellt, aber bei der gesetzlich erforderlichen Gesamtwürdigung des Verhaltens und der dienstlichen Leistungen von Propst a.D. von Nordheim nach dem Ergebnis der mündlichen Verhandlung keine Disziplinarmaßnahme für angebracht gehalten.“ Für von Nordheim ein Beleg, „wie die AZ ihrem Stil der ,Berichterstattung‘ treu bleibt“.

Der Propst außer Dienst, der im Zuge des Verfahrens ausverhandelt hatte, dass er diesen Titel in jedem kirchlichen Dienst führen darf und wieder sein altes Gehalt bekommt, sieht die Vorwürfe gegen ihn als gegenstandslos an: „Eine regelrechte Rehabilitation wurde aus verfahrenstechnischen Gründen nicht ausgesprochen: Rehabilitiert werden kann nur, wer verurteilt wurde – davon kann in meinen Fall nicht die Rede sein.“

Das Ende des Verfahrens bildet einen Schlussstrich unter komplizierte Verhandlungen der Landeskirche mit Wolf von Nordheim. Sie wurden indes nicht öffentlich fixiert. Doch während Uelzens ehemaliger Propst weiter behauptet, „niemals“ sei seine Amtsenthebung beabsichtigt gewesen, hat es nach AZ-Informationen eine Reihe von Deals gegeben. Die mündeten nicht nur darin, dass von Nordheim nach einer Beurlaubung im vorigen Oktober sein Amt als Propst zum Jahresende aufgab. Er legte zugleich seine Ämter als Vorsitzender des mächtigen Synodalausschusses der Landeskirche und seine Funktion als Vizepräsident der Generalsynode der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands nieder – Positionen, die in keiner Weise mit der Diakonie-Pleite in direktem Zusammenhang stehen.

Von Nordheim, der seit seiner Beurlaubung im Oktober keine Dienstgeschäfte als Propst mehr wahrnehmen durfte, hat seine Abschiedszeilen an einen größeren Verteiler über seine alte Dienstmail-Adresse des Kirchenkreises Propstei.Uelzen@ evlka.de versandt.

Was der Propst a.D. in seinem Rundumschlag verschweigt: Seit fast einem Jahr ignoriert er jede Frage aus der AZ-Redaktion bis hin zur Möglichkeit, sich in einem eigenen Beitrag zu äußern. Im Gegensatz zur Leserschaft, die die Vorgänge im Blatt und online kontrovers und frei von redaktionellen Eingriffen diskutiert hat.

So verabschiedet sich von Nordheim „in herzlichster Verbundenheit“ nach Burgdorf: „Bei allem Durcheinander – sein Gutes hat es darin, dass es uns von der AZ als Monopolzeitung befreit.“

Das komplette Schreiben:

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Schwestern und Brüder!

Seit Freitag liegt Ihnen das Original der Pressemeldung des Landeskirchenamtes in meinem Fall vor. Am Sonnabend konnten Sie lesen, wie die AZ ihrem Stil der „Berichterstattung“ treu bleibt:

1. Die Disziplinarkammer hat zwar einen Verstoß gegen haushaltsrechtliche Überprüfungspflichten festgestellt (erstmalig in der Hannoverschen Landeskirche) diesen aber weder mir, noch dem KKV, noch der KKA-Leitung angelastet; diese AZ-Meldung ist Halbwahrheit.

2. Der Aufsichtsratsvorsitzende v. Nordheim hat keinen Cent von KK-Rücklagen in der Diakonie gGmbH eingesetzt; dies geschah auf Beschluss des gesamten KKV, dem der KKT mit 77 % der abgegebenen Stimmen das Vertrauen ausgesprochen hat. Wieder eine AZ-Halbwahrheit.

3. Im Oktober ist Ihnen allen meine Erklärung über meinen Rücktritt vom Propstamt zugegangen. Diese erfolgte auf Grund 9 Monate langer Angriffe seitens der AZ, aufgrund von Angriffen aus der Pfarrerschaft und von Pfarrerverbänden, des weiteren aufgrund unentschiedener Haltung in der hauptamtlichen Mitarbeiterschaft sowie nicht mehr gegebener Unterstützung durch die Leitung der Landeskirche. Dies machte mir eine weitere Arbeit unmöglich. Es ist eine klare Falschmeldung, dass ich mit meinem „Amtsverzicht einer vorläufigen Enthebung im Rahmen des Disziplinarverfahrens zuvor gekommen sei“. Nach schriftlicher (der AZ bekannten) Stellungnahme des Landeskirchenamtes war niemals meine Amtsenthebung beabsichtigt.

4. Die Pressemeldung wurde vom Landeskirchenamt herausgegeben, das im Laufe der Ermittlungen 10 seiner Vorwürfe fallen lassen musste (wie die AZ stolz meldete, liegt ihr meine diesbezügliche Information an die Synodalen seit Nov. 2009 vor), im Verfahren die 2 schriftlich angeschuldigten Sachverhalte nicht durchsetzen konnte und über den 13. Punkt (Verstoß gegen haushaltsrechtliche Überprüfungspflichten) auf Vorschlag der Kammer einvernehmlich mit mir die Einstellung des Verfahrens beantragte. Ich habe der Einstellung des Verfahrens nur zugestimmt, nachdem das LKA die Erfüllung von 7 Forderungen meinerseits zu Protokoll der Verhandlung verbindlich zusagte, wie z. B., dass ich wieder mein altes Gehalt bekomme und in jedem kirchlichen Dienst den Titel Propst a. D. führe.

5. Eine regelrechte Rehabilitation wurde aus verfahrenstechnischen Gründen nicht ausgesprochen: Rehabilitiert werden kann nur, wer verurteilt wurde - davon kann in meinem Fall nicht die Rede sein.

6. Alles dies hätte die AZ-Redaktion bei fachlich guter Recherche und im Bemühen um ausgewogene Berichterstattung (Pflicht auch der AZ lt. Pressegesetz) Ihnen zur Lektüre bringen können ...

Familie v. Nordheim steckt mitten im Umzug nach 31303 Burgdorf, Hohlbeinstr. 1. Bei allem Durcheinander - sein Gutes hat es darin, dass es uns von der AZ als Monopolzeitung befreit.

In herzlicher Verbundenheit grüßt Sie alle

Ihr

Wolf v. Nordheim, Propst a. D.

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