Erschütterung über Zustände in Fukushima / Infoveranstaltungen geplant

Atomkraftgegner in Tokio

Lennart Müller von der BürgerInnen-Initiative gegen Atomanlagen Uelzen besucht mit anderen Atomkraftgegnern Japan und war unter anderem bei einer Demo gegen Atomkraft in Tokio. Foto: Privat

Uelzen/Tokio. Wendländische Atomkraftgegner haben Fukushima und Tokio besucht. Über die Verhältnisse in der vor eineinhalb Jahren von Erdbeben, Tsunami und daraus folgend einem Atomkraft-GAU heimgesuchten Region sind sie erschüttert.

Nun soll es eine Veranstaltung zum Fukushima-GAU und den Folgen am 19. September in Uelzen geben. Mit dabei sind Lennart Müller von der Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg und der BürgerInnen-Initiative gegen Atomanlagen Uelzen sowie Kerstin Rudek, ehemalige Vorsitzende der BI Umweltschutz.

Ein „verwirrender Streit“, so schreiben die Atomkraftgegner, sei vor einem Jahr in der Gorleben-Debatte ausgebrochen. Es sei darum gegangen, ob der Grenzwert von 0,3 Millisievert zusätzlicher radioaktiver Strahlung pro Jahr um das atomare Zwischenlager eingehalten wird oder nicht. Der Streit sei nicht geklärt, zeigt aber, wie krass der Gegensatz zu Japan ist: Die Ärzteschaft in Japan habe nach dem GAU in Fukushima empfohlen, den dortigen Grenzwert auf 100 Millisievert pro Jahr hochzuschrauben.

Entsetzt berichten Kerstin Rudek und Lennart Müller nach ihrem Japan-Besuch von diesen Plänen. „Es ist absurd, was da abläuft und zeigt die Hilflosigkeit, wie mit den verstrahlten Gebieten umgegangen werden soll“, sagt Lennart Müller. Auf Einladung der japanischen Eisenbahnergewerkschaft und der größten dortigen Anti-Atom-Initiative NAZEN besuchten die beiden zusammen mit dem jetzigen Vorsitzenden der Bürgerinitiative Umweltschutz (BI), Martin Donat, das Gebiet. Donat hielt unter anderem eine Rede auf dem 67. Jahresgedenktag zum Atombombenabwurf auf Hiroshima. Dabei machte er seine Meinung deutlich, nach der sich militärische und zivile Nutzung von Atomenergie nicht voneinander trennen ließen. Zudem habe er die Japaner darauf hingewiesen, dass sie eine Lösung für die Endlagerung des Atommülls finden müssten. Lennart Müller sagt: „Eine Endlager-Suche ist in Japan gar kein Thema. Es ist ganz schwer, für dieses Problem Gehör zu finden. Und das bei 54 Atomkraftwerken, von denen derzeit allerdings erst eines wieder angefahren ist.“

Rudek und Müller bringen ihrer Ansicht nach „beängstigende Eindrücke“ aus Japan mit, wie dort mit Radioaktivität umgegangen werde. Hochgradig verstrahlte Erde stehe da einfach in der Gegend herum, abgedeckt lediglich mit einer Plastikplane. Als das Gorleben-Trio einen Geigerzähler an ein Beet gehalten hat, sei der Zeiger auf einen Wert geknattert, der das 35-fache der Normalstrahlung angezeigt habe. Es gebe signifikante Häufungen von Krankheitsbildern, die auch aus Tschernobyl bekannt seien: Damit werde die Bevölkerung allein gelassen, erzählt Lennart Müller.

Rudek und Müller wollen jetzt eine Spendenaktion anschieben, um den provisorischen Betrieb eines Gesundheitszentrums für Fukushima-Opfer zu unterstützen. Die Veranstaltung findet am 19. September um 19 Uhr im Selbstorganisiertem Zentrum, Ringstraße 27 B, in Uelzen statt. Alle Interessierten sind herzlich eingeladen.

Weitere Infos zur Reise der Delegation im Netz unter: www.bi-luechow-danenberg.de.

Kommentare