Landkreis Uelzen erwägt Einsatz von privaten Unternehmen

Asylbetreuung als Geschäft

Uelzen/Landkreis. Bis zum Jahresende soll sich die Zahl der Asylbewerber im Landkreis Uelzen mehr als verdoppeln. 452 leben derzeit zwischen Bienenbüttel und Bad Bodenteich, im Dezember werden es nach der Zuteilungsquote des Landes etwa 1000 sein.

Für den Landkreis werden damit die Fragen zu ausreichendem Wohnraum und zur Betreuung der Asylbewerber immer drängender. Um die Aufgaben bewältigen zu können, erwägt der Landkreis nun, private Firmen zu beauftragen, die sich auf die Betreuung von Asylbewerbern spezialisiert haben und damit ihr Geld verdienen. „Es wird ein Einsatz von solchen Unternehmen geprüft“, sagt Kreissprecher Martin Theine gegenüber der AZ.

Der Einsatz von Firmen zur Betreuung von Asylbewerbern gilt seit vergangenem Herbst als nicht unproblematisch. Damals waren Misshandlungen an Asylbewerbern in Nordrhein-Westfalen bekannt geworden. Verantwortlich dafür sollen Mitarbeiter eines Wachdienstes gewesen sein, der von einem für die Betreuung von Asylbewerbern spezialisierten Unternehmen beauftragt worden war.

Die Überlegungen im Kreis Uelzen, auf ein privates Unternehmen zurückzugreifen, seien vor dem Hintergrund der steigenden Asylbewerberzahlen und den beim Landkreis vorhandenen Personalressourcen zu sehen, so Theine.

Das Sozialamt ist federführend verantwortlich für die Betreuung von Asylbewerbern. Die Arbeit erstreckt sich von der Wohnraum-Akquise bis zum Abholen von Flüchtlingen am Bahnhof. Derzeit sind im Sozialamt einschließlich des Amtsleiters Werner Marienfeld fünf Mitarbeiter für den Asylbewerber-Bereich tätig.

Welche Aufgaben eine private Firma übernehmen könnten, stünde noch nicht fest, sagt Theine. Dafür sei es noch zu früh. Wie eine Betreuung durch ein Unternehmen aussehen könnte, zeigt sich zum Beispiel am Nachbarlandkreis Harburg. 40 Asylbewerber erreichen Harburg wöchentlich. Die dortige Landkreis-Verwaltung arbeitet seit dem Jahr 2013 mit der Unternehmen Human Care zusammen.

18 bis 20 Wohneinrichtungen würden privat betreut, so Harburgs Kreissprecher Johannes Freudewald auf AZ-Nachfrage. Das Unternehmen sei zum einen bei größeren Gemeinschaftsunterkünften für den Betrieb zuständig. Heißt: Es gibt einen Leiter der Einrichtung, der dafür sorgt, dass die Hausordnung eingehalten wird und die Wohnungen auch ausgestattet sind. Bei Unterkünften ab 60 Asylbewerbern setzt die Firma zudem einen Sozialarbeiter ein, der als Ansprechpartner für Bewohner fungiert, das Engagement von Ehrenamtlichen koordiniert und Kontakt zu Nachbarn der Einrichtung hält.

Von Norman Reuter

Rubriklistenbild: © dpa

Kommentare