Uelzener Diakonie berät Flüchtlinge / Unterstützung bei Anträgen und Integration

Asylarbeit im Behördenwust

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Flüchtlinge in Uelzen können auf die Unterstützung von Bianca Jung, Teresa Geist und Anja Schweimer (von links) zählen.

Uelzen. Flüchtlinge, fast vergessen: Aufgrund politischer Entscheidungen kommen weniger Flüchtlinge nach Europa und nach Deutschland. Not- und Sammelunterkünfte stehen leer und werden geschlossen, auch in Uelzen.

Was ist mit denen, die ihren Weg hierher gefunden haben? Wie geht es für die Flüchtlinge weiter, die unlängst vor dem Uelzener Kreishaus demonstrierten, weil die Bearbeitung ihrer Asylanträge so lange dauert?.

In der Diakonie in Uelzen sind unter anderem die drei Beraterinnen im Team „Flucht und Migration“, Teresa Geist, Anja Schweimer und Bianca Jung, tätig. Schweimer ist mit der Asylverfahrensberatung betraut. In den vergangenen zehn Monaten hat sie 250 Flüchtlinge beraten. Sie sagt: „Die Wartezeit ist sehr, sehr unterschiedlich.“ Zwischen zwei und acht Monaten könnten die Flüchtlinge warten, ein System bei der Bearbeitung der Anträge sei nicht erkennbar. „Teilweise stellen Flüchtlinge aus dem gleichen Land am gleichen Tag einen Antrag, aber die Dauer der Bearbeitung geht Monate auseinander.“

Geduld und Frustrationstoleranz bräuchten die Männer, Frauen und Kinder daher, um den gefühlten Marathon von Registrierung zu Antragstellung- und Prüfung über die persönliche Anhörung zur Erteilung des Aufenthaltstitels durchzustehen.

Bianca Jung managt als Migrationsberaterin den Übergang von Asylbewerbern zu Ausländern mit einem von über 25 Aufenthaltstiteln – ein Dickicht mit Auswirkungen unter anderem auf die Reisesfreiheit, eine Erwerbstätigkeit und den Familiennachzug.

„Mit dem Aufenthaltstitel fallen die Leistungen durch das Asylbewerberleistungsgesetz weg“, erklärt Jung. Es müssten dann Anträge beim Jobcenter gestellt werden, ein Konto eröffnet und die Mitgliedschaft in einer Krankenkasse erfolgen.

Flüchtlinge aus einer Sammelunterkunft müssten schnell eine eigene Wohnung finden – problematisch, da der Wohnungsmarkt wenig geeignete Wohnungen hergebe. Also kleine Wohnungen für Alleinstehende oder große für Familien mit vier oder fünf Kindern.

Auch in Sachen Sprachkurse und den Möglichkeiten eines Berufseinstieges berät Jung. Sie schreibt mit Flüchtlingen Lebensläufe und klärt, inwieweit die bisherige Berufliche Bildung in Deutschland anerkannt wird. Dazu kommen jede Menge „netzwerken, kommunzieren und das Vermitteln zu anderen, zum persönlichen Bedarf passenden Stellen.

Familiennachzug ist der Schwerpunkt von Teresa Geist. Sie stellt zunächst klar: „Das Thema Nachzug gilt nur für die Kernfamilie: Ehepartner und minderjährige Kinder. Nicht Onkel, Tanten, Großmütter.“ Für die Geflüchteten hat sie vor allem eine zentrale Botschaft: „Lasst keine Zeit verstreichen.“ Drei Monate nach dem Erhalt des Aufenthaltstitels sei Familiennachzug nur noch unter Auflagen möglich.

• Beratung zu den genannten Themen durch die Diakonie unter der Telefonnummer (0581) 971 89 50.

Von Steffen Kahl

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