1628 unter 15-Jährige im Kreis leben von Hartz IV – und sind stark benachteiligt

Armut im Verborgenen

Uelzen/Landkreis. Die Eltern haben keinen Internetzugang. Eine Ferienfreizeit am Meer übersteigt das Budget. Manchmal fehlt sogar das Geld für ein warmes Mittagessen.

Laut aktueller Armutsstudie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) müssen bundesweit 1,6 Millionen Kinder in Hartz IV-Familien auf vieles verzichten, was als selbstverständlich gilt – auch im Landkreis Uelzen.

„Es passiert im Verborgenen“, sagt Stadtjugendpfleger Christian Helms. „Die Kinder, bei denen das Geld knapp ist, ziehen sich still zurück.“ Isolation sei die Folge. So ist sich Helms sicher, dass Eltern, die die staatliche Grundsicherung beziehen, ihrem Nachwuchs kein Ferienfreizeitangebot ermöglichen könnten, das mit einem Familienurlaub vergleichbar wäre. Auch die Studie beweist: 76 Prozent der Kinder in einem Hartz-IV-Haushalt können keinen Urlaub von mindestens einer Woche machen.

Derzeit beläuft sich der Regelsatz für einen Alleinstehenden auf 399 Euro plus Miet- beziehungsweise Wohnkosten. Das Uelzener Jobcenter zahlte nach Angaben der Agentur für Arbeit mit Stand Januar 2015 für 5969 Personen die Grundsicherungsleistung aus – darunter 1628 Leistungsberechtigte, die jünger als 15 Jahre sind.

Die Benachteiligung zieht weite Kreise. So glaubt Helms, dass diese Kinder auch in der Schule Schwierigkeiten haben, wenn sie zum Beispiel nicht über einen eigenen Computer verfügen. Laut Studie hat jedes siebte Kind im Hartz-IV-Bezug zu Hause keinen Zugang zum Internet.

Mit dem Ausbau des Ganztagsschulangebots müsse jetzt über eine neue Subventionierung der Mensa-Mahlzeiten nachgedacht werden, so der Stadtjugendpfleger. Die Mahlzeiten sollten für alle erschwinglich sein, fordert auch Regina Erdmann vom Uelzener Kinderschutzbund. Möglich ist bereits ein Zuschuss über das Bildungs- und Teilhabepaket. Der Landkreis Uelzen bietet damit eine Förderung an, mit der Kindern aus einkommensschwachen Familien mehr Teilhabe am sozialen und kulturellen Leben ermöglicht werden soll.

Von Armut betroffen seien häufig Alleinerziehende, beobachtet Erdmann, die beim Kinderschutzbund wöchentlich rund 45 Kinder unter anderem mit einem Mittagessen versorgt und bei den Hausaufgaben unterstützt. 70 Prozent seien von relativer Armut betroffen, davon stammten rund zehn Prozent aus Flüchtlingsfamilien. Vor Schulanfang werde das Problem besonders deutlich. „Ein Schulranzen mit allem Drum und Dran kostet inzwischen rund 120 bis 130 Euro.“

Von Anna Petersen

Rubriklistenbild: © dpa

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