Der Verein Historisches Uelzen formiert sich neu

Älteste Armenspeisung der Welt ist abgesagt

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Kassenwartin Karin Vetter-Urban, 1. Vorsitzender Werner Schmidt-Clausen und 2. Vorsitzender Ekkehard Hennes (von links) leiten im Moment die Geschicke des Vereins.

Uelzen. Es ist die älteste Armenspeisung der Welt und in Uelzen eine Institution, doch in diesem Jahr fällt die für Ende Oktober geplante Veranstaltung aus: Der Verein Historisches Uelzen sieht sich in diesem Jahr nicht in der Lage, das Armenessen zu organisieren.

AZ-Redakteur Dirk Marwede sprach mit dem 1. Vorsitzenden, Werner Schmidt-Clausen, über die Absage und die Entwicklung des Vereins.

Interview 

Warum wird das Uelzisch Armenessen, das 1397 erstmals erwähnt wurde, dieses Jahr nicht veranstaltet? 

Schmidt-Clausen: Uns fehlen ganz einfach die Mitstreiter, denn durch Krankheit und Tod fehlen uns auf der Organisationsebene entscheidende Mitglieder, die im Moment einfach nicht zu ersetzen sind. Das gilt insbesondere für den kürzlich verstorbenen Lutz König, der den Verein in den letzten Jahrzehnten maßgeblich geprägt hat.

Stimmt Sie die Tatsache traurig, die älteste Armenspeisung der Welt ausfallen zu lassen? 

Ja, natürlich. Eine Tatsache, die wir sehr bedauern, denn schließlich hat sich die Veranstaltung in den letzten Jahrzehnten, damals noch unter der Leitung von Wolfgang Mocek, stets bewährt.

Mit dem Erlös im vierstelligen Euro-Bereich haben Sie alljährlich den Tagestreff für Obdachlose unterstützt. Fällt diese Unterstützung damit in diesem Jahr aus?

Das wollen wir natürlich nicht und so werden wir alle, die den Verein und seine Anliegen in der letzten Zeit finanziell unterstützt haben, in den kommenden Tagen anschreiben und um eine Spende für den Tagestreff bitten.

Wenn Ihnen entscheidende Aktive im Vorstand und in der Organisation von Events fehlen, wie sieht es dann überhaupt um zukünftige Veranstaltungen aus?

Ich denke, dass es sich nur um einen zeitlich begrenzten Engpass handelt. Schließlich hat der Verein 165 Mitglieder, die sich für Uelzen einsetzen, sei es, in dem sie Projekte mit Mitgliedsbeiträgen oder Spenden unterstützen.

Können Sie da Beispiele nennen?

Unser letztes Projekt, das wir mit angeschoben haben, ist die Renovierung der St.-Viti-Kapelle, in der jetzt auch Veranstaltungen wie Hochzeiten stattfinden können. Wir waren unter anderem auch an der Restaurierung der Stadtmauer, dem Aufstellen der Grabplatten an der Fassade von St. Marien, dem Uelzen-Fries von Georg Lipinsky an der Gertrudenkapelle und anderen Projekten beteiligt. Im Januar werden wir beim Kulturmarkt mit einer Ausstellung im Rathaus dabei sein.

Und wie sehen Sie die Zukunft des Vereins?

Durchaus positiv. Die Mitgliederzahl ist zwar stagnierend, aber wir können auch immer wieder jüngere Mitglieder werben, die willens sind, gestalterisch im Stadtbild mitzuwirken. Und das freut uns natürlich sehr.

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