Werk geht künftig in Joint Venture „Froneri“ auf

360 Arbeitnehmer zittern im Uelzener Werk von Nestlé-Schöller

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Fertigungsstraße im Uelzener Werk von Nestlé-Schöller. Produziert werden hier Eis und Teigwaren.

Uelzen. Müssen die 360 Arbeitnehmer im Uelzener Werk von Nestlé-Schöller vor dem kommenden Sonnabend zittern? An diesem 1. Oktober könnte nach AZ-Informationen das Joint Venture „Froneri“ starten, das der Nestlé-Konzern zusammen mit dem britischen Eis-Giganten R & R gründet und das in 20 Ländern einen Umsatz von 2,5 Milliarden Euro erzielen soll.

Teil von „Froneri“ wird auch das Uelzener Werk an der Hamburger Straße. Produziert werden hier Teigwaren und Eis der Marken Schöller und Mövenpick. Und unter den Mitarbeitern herrscht wegen der Umstrukturierung Unruhe, wenn nicht Angst: Bleiben die Arbeitsplätze erhalten? Wird auch künftig nach Tarif gezahlt? Oder müssen erhebliche Einschnitte im Einkommen verkraftet werden?

Alexander Antonoff, stellvertretender Leiter der Unternehmenskommunikation bei Nestlé Deutschland, stellt gegenüber der AZ klar: „Für die Mitarbeiter in Uelzen hat das Joint Venture überhaupt keine Auswirkung.“ Einschränkend räumt er allerdings ein, eine langfristige Entwicklung nicht vorhersagen zu können.

Mitarbeiter und die Gewerkschaft Nahrung Genuss Gaststätten (NGG) sind derweil alarmiert. Eine Mitarbeiterin aus Sachsen-Anhalt fürchtet ein Ende der Beschäftigung zu tariflich festgesetzten Konditionen und sagt: „Mindestlohn – dann rechnet sich die Fahrerei nicht mehr.“

Kämpferisch gibt sich Silke Kettner, Geschäftsführerin der NGG Lüneburg: „Wir werden stark aufpassen, dass die Tarifverträge bleiben.“ Die NGG sei bis in europäische und internationale Ebenen gut aufgestellt und habe in Uelzen schon mal Stärke zeigen können: „Als Nestlé vor einigen Jahren den Tarif aussetzen wollte, konnten wir das umbiegen.“

Was genau auf die Arbeitnehmer zukomme, sieht auch Kettner als eher mittelfristige Frage. Sie lässt aber nicht unerwähnt, dass von den fünf Werken in Deutschland, die künftig für „Froneri“ produzierten, nur vier nach Tarif zahlten – die von Nestlé. Das von R & R nicht.

Von Steffen Kahl

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