Urteil gegen Mitglieder der Douglas-Bande beschäftigt den Bundesgerichtshof

Anwalt rügt formellen Fehler

Die Rechtsanwälte Martin Schaar (2. von links) und Volker König (3. von links) reichen Revisionsbegründungen ein, mit denen sich schließlich der Bundesgerichtshof befasst. Ismail N. (ganz links) und Robert K. (rechts) sind solange auf freiem Fuß. Foto: Archiv

Uelzen. Noch etwa zehn Tage bleiben den Rechtsanwälten zweier Mitglieder der sogenannten Uelzener Douglas-Bande zur Begründung ihrer Revisionen. Der Uelzener Rechtsanwalt Volker König, Verteidiger von Robert K.

, wird dem Landgericht Lüneburg mitteilen, warum er gegen das Urteil wegen gefährlicher Körperverletzung in Revision geht. Anschließend wird sich der Bundesgerichtshof mit dem Urteil auseinandersetzen.

„Ich glaube kaum, dass in diesem Jahr noch etwas passiert“, sagt König. Auch sein Kollege Martin Schaar aus Kiel reicht im Fall Ismail N. eine Revisionsbegründung ein, kündigt er an. Solange das Urteil nicht rechtskräftig ist, bleiben die beiden Uelzener auf freiem Fuß. Nach Angaben des Landgerichts ist für die Bearbeitung solch einer Revision mit einer Dauer von etwa sechs Monaten am Bundesgerichtshof zu rechnen.

Ende April waren Robert K. zu zwei Jahren und sechs Monaten Haft und Ismail N. zu drei Jahren Haft wegen gefährlicher beziehungsweise gemeinschaftlicher Körperverletzung vor dem Landgericht Lüneburg verurteilt worden. Den Geschädigten müssen sie außerdem 4000 Euro Schmerzensgeld zahlen. Den beiden wird vorgeworfen, Anfang Juli vergangenen Jahres auf der Gudesstraße einen Mann lebensgefährlich verletzt zu haben, der einem anderen Paar zu Hilfe gekommen war.

Schon kurz nach der Urteilsverkündung hatten König und Schaar erklärt, in Revision zu gehen. Sie halten die Urteile für zu hart. „Aber der entscheidende Punkt ist der, dass ich einen formellen Fehler rüge“, kündigt König an. Das Geständnis, das sein Mandant am Tag nach dem Haftbefehl im Juli 2011 bei der Haftrichterin Angela Neßelhuth abgelegt hat, „ist aus meiner Sicht nicht verwertbar“.

Die Richterin hatte im Januar im Laufe des Verfahrens vor der Jugendkammer des Landgerichts ausgesagt, dass Robert K. in seiner Anhörung, einen Tag nach dem Haftbefehl, ihr gegenüber gestanden habe, dass er einem damals 41-jährigen Uelzener zweimal ins Gesicht getreten habe. Zu dem Zeitpunkt habe das Opfer bereits am Boden gelegen. König hatte schon im Vorfeld der Vernehmung Neßelhuths widersprochen: Sein Mandant habe im Juli vergangenen Jahres nach der Inhaftierung die Aussage verweigern wollen, solange sein Anwalt nicht dabei sei. Die Haftrichterin habe Anwalt König an diesem Tag im Juli 2011 telefonisch nicht erreicht, woraufhin Robert K. dann doch diese Sicht des Tathergangs geschildert hatte. Nach Widerspruch Königs hatte die Kammer im Januar die Haftrichterin dennoch zu einer Zeugenaussage zugelassen.

Königs Ziel ist nun, dass Robert K. statt der zweieinhalb Jahre Haft nur eine Bewährungsstrafe von zwei Jahren erhalte. Der junge Mann war bereits im Frühjahr 2011 in einem anderen Fall zu einer Jugendstrafe auf Bewährung verurteilt worden.

Ähnlich versucht der Kieler Anwalt, ein milderes Urteil zu erwirken. Zum Hintergrund: Im Fall Ismail N. kommt noch eine Erschwernis hinzu. Wenn es tatsächlich bei den drei Jahren Haft bleibt, ist sein Aufenthaltstitel in Gefahr. Dann muss er damit rechnen, in sein Heimatland abgeschoben zu werden. Ismail N. hatte nach Aussage der Haftrichterin Angela Neßelhuth ebenfalls seine Tat gestanden. Er habe den Mann auf der Gudesstraße im Juli vor einem Jahr mit einer Bierflasche verletzt, hatte er nach dem Haftbefehl der Familienrichterin geschildert.

Die Douglas-Bande wurde während des fünfmonatigen Prozesses, bei dem mehr als 60 Zeugen angehört worden waren, so genannt, weil sie sich in Uelzen immer vor der gleichnamigen Parfümerie getroffen hatte.

Von Diane Baatani

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