Kassenärzte verkürzen telefonischen Bereitschaftsdienst

Ansturm auf die Notaufnahme droht

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Zum 1. Juli reduziert die Kassenärztliche Vereinigung die Sprechzeiten ihres Bereitschaftsdienstes. Patientenvertreter glauben, dass akut Erkrankte dann häufiger den Rettungsdienst unter der Nummer 112 rufen. Auch ein Ansturm auf die Notaufnahmen der Kliniken wird befürchtet.

Uelzen/Landkreis. Hohes Fieber über die Feiertage oder starke Bauchschmerzen am Wochenende: Für akute, aber nicht lebensbedrohliche Erkrankungen wie diese gibt es seit 2012 die bundesweit einheitliche Rufnummer 116 117 des ärztlichen Bereitschaftsdienstes.

Er ist außerhalb der üblichen Arzt-Sprechstunden zu erreichen. Doch jetzt kündigt die Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen (KVN) eine Änderung an: Zum 1. Juli werden landesweit einheitliche Sprechzeiten eingeführt (siehe Infokasten). Für den Kreis Uelzen bedeutet das, dass die Erreichbarkeit der Hotline um 13 Stunden pro Woche verringert wird.

Patientenvertreter schlagen deshalb Alarm. „Das wird zu einer Absenkung der Qualität der medizinischen Versorgung führen“, befürchtet Wolfram-Arnim Candidus, Präsident der „Bürger Initiative Gesundheit“, im AZ-Gespräch. Der Verein mit Sitz in Berlin und Augsburg macht sich für ein effektives Gesundheitssystem stark.

Candidus warnt davor, die Erreichbarkeit der Nummer 116 117 zu reduzieren. Denn dadurch könnte eine Versorgungslücke zwischen der Schließung der Arztpraxen am Nachmittag und dem Beginn des Bereitschaftsdienstes um 19 Uhr entstehen, ebenso von 7 bis 8 Uhr morgens. „Wenn kein Bereitschaftsarzt erreichbar ist, gehen die Patienten in die Notaufnahmen der Kliniken. Dann gibt es dort völlig überfüllte Wartezimmer und noch längere Wartezeiten“, sagt Candidus.

Ganz wichtig: Die Sprechzeiten der Bereitschaftsdienstpraxis Uelzen, Ripdorfer Straße 1, ändern sich ab Juli nicht.

Von Bernd Schossadowski

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