Zeuge schildert Auseinandersetzung mit Ex-Mitglied der Red Devils vor dem Landgericht

„Angst, dass es Haue gibt“

+

az Uelzen. Eine Auseinandersetzung über Formalien hat gestern den Prozess gegen zwei Uelzener Angeklagte – Vater und Sohn – gebremst, denen 16 Fälle von Körperverletzung und Drohungen vorgeworfen werden.

Eine Reihe an Zeugen hatte bereits an den vorigen Prozesstagen vor der Kammer des Landgerichts Lüneburg die Aussagen verweigert, aus Angst vor dem 49-jährigen ehemaligen Mitglied des Motorradclubs Red Devils und dessen 23-jährigen Sohn. Verteidiger Volker König aus Uelzen mahnte gestern vor der Kammer an, nicht rechtzeitig vor Prozessauftakt über eine Änderung der Schöfffenbesetzung informiert worden zu sein. Ein Brief über diese Information habe seine Kanzlei nicht erreicht und somit habe er keine Chance gehabt, zu überprüfen, ob die Kammer vorschriftsmäßig besetzt sei. „Mir ist die Möglichkeit der rechtzeitigen Überprüfung genommen worden. “ Er beantragte zunächst, das Verfahren auszusetzen, und entschied sich dann doch für eine Rüge.

Nachdem das weitere Prozedere geklärt war und ein 25-jähriger Zeuge, der ehemalige Freund der Stieftochter des 49-jährigen Angeklagten, bereits seine Aussage begonnen hatte, wurde erneut die Verhandlung unterbrochen, damit der Vorsitzende Richter Thomas Wolter eine schriftliche Zurückweisung der Rüge verfassen konnte mit der Begründung, dass die Namen der Schöffen aus der Tischvorlage hervorgingen.

Die erneute Verhörung des wartenden Zeugen begann Wolter dann auch mit den Worten: „Ihre Personalien haben Sie vorhin schon aufgegeben. Ich nehme mal an, die haben sich zwischendurch nicht geändert.“ Der 25-Jährige schilderte eine Reihe an Vorfällen mit der Familie seiner Ex-Freundin. Der Angeklagte habe ihm den Kontakt zu seiner Stieftochter verboten und ihm mit Gewalt gedroht. „Er würde das nicht alleine machen, wenn ich noch einmal in die Nähe seiner Tochter komme, er hat seine Leute“, berichtete der Zeuge, nachdem er lautstark von seiner Mutter aus den Besucherreihen dazu aufgefordert wurde.

Nachdem die Stieftochter bei ihren Eltern ausgezogen war, sei der kräftig gebaute Mann vor dem Wohnhaus des Zeugen mit seinem Motorrad auf und ab gefahren, habe in das Haus geleuchtet und somit den Zeugen massiv unter Druck gesetzt. „Ich hatte Angst, dass es Haue gibt“, schilderte der 25-Jährige.

Die Verhandlung wird morgen fortgesetzt.

Kommentare