Angehende Gesundheits- und Krankenpfleger leiten eine Station am Klinikum

Schüler im Schichtwechsel

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Im Rahmen eines Pilotprojekts sind über 20 angehende Gesundheits- und Krankenpfleger, unter ihnen Tim Luda und Kristina Geiger, für die Planung, Organisation und Koordination des gesamten Arbeitsablaufs auf einer Station am Klinikum Uelzen verantwortlich.

Uelzen. Kristina Geiger sitzt im Dienstzimmer der Unfallchirurgischen und Gynäkologischen Station 4.4 des Uelzener Klinikums und atmet langsam aus: „Ich genieße gerade die Ruhe“, gesteht sie.

Im Raum nebenan laufen Pfleger in blauen Kitteln geschäftig hin und her, alle paar Minuten klingelt das Telefon. Für zwei Wochen ist Kristina Geiger Stationsleiterin – zusammen mit den anderen Schülern im dritten Ausbildungsjahr der Gesundheits- und Krankenpflegeschule des Klinikums kümmert sie sich im Rahmen des Pilotprojektes „Schüler leiten eine Station“ um die gesamte pflegerische Versorgung der Patienten.

Planung, Organisation, Dokumentation, Pflege – die Liste der Aufgaben ist lang. „Es ist schon ziemlich ungewohnt“, gesteht Kristina Geiger. Ständig habe jemand Fragen, dazu die Büroarbeiten, sogar die Dienstpläne hat sie selber geschrieben. Gut, sagt die 20-Jährige, dass sie in ihrem Patientenbereich zu zweit unterwegs sind. „Es könnte passieren, dass ich vom Schreibtisch nicht weg komme und die Patienten müssen ja trotzdem versorgt werden.“

Wieder klingelt es, ein junger Mann streckt den Kopf durch die Tür: „Wer soll das Telefon nehmen?“, will er wissen. „Äh, geben Sie das bitte Julian“, entscheidet Kristina Geiger souverän.

Die Schüler des diesjährigen Examenskurs 11/14 haben sich im Rahmen des Unterrichts auf das Projekt vorbereitet. Ziel ist es, die Ausbildungsqualität zu steigern, eigenverantwortliches und selbstständiges Arbeiten zu fördern und nicht zuletzt die Schüler auf die Examensprüfung vorzubereiten.

Und gerade die Verantwortung, die in der Praxis zu tragen kommt, sagt Schüler Tim Luda, sei es, die ihm bei der Arbeit gefalle. Das Projekt ist für den 22-Jährigen eine Möglichkeit, praktische Erfahrungen zu sammeln. Wie etwa funktioniert das mit den Entlassungen? „Fragen gibt es immer mal wieder“, sagt er. Dafür stehen dem Gesundheits- und Krankenpflegenachwuchs das reguläre Stationsteam und die Lehrkräfte mit Rat und Tat zur Seite.

Morgens um sechs Uhr beginnt die erste Schicht mit der Übergabe, später wird die Dokumentation der ärztlichen Visite statt, der Pflegealltag beginnt.

Und wie haben die Patienten überhaupt auf das Pilotprojekt reagiert? „Die meisten haben sich sehr gefreut“, erinnert sich Geiger an den ersten Tag. Zwei seien erst etwas skeptisch gewesen. „Aber das waren die, die uns am Ende des Tages am meisten gelobt haben.“ Und: Das Ergebnis der Bewertungsbögen sei sehr positiv ausgefallen, freut sich Geiger.

Es ist 9.45 Uhr: An dem großen Schreibtisch im Pflegedienstzimmer sitzen drei Schüler und studieren Unterlagen. Eine von ihnen ist Natalie Berkowski. Dass auch die Dokumentation zu ihrem künftigen Beruf gehört, sagt sie, habe sie schon vorher gewusst. „Das ist vollkommen in Ordnung“, meint die 22-Jährige und ist sicher, die richtige Berufswahl getroffen zu haben. So auch Kristina Geiger. Ob sie sich vorstellen kann, später sogar ein Stationsteam zu leiten? Sie zögert nicht mit der Antwort: „Ganz ehrlich? Ja.“

Von Anna Petersen

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