Nach Urteilsbestätigung für Marco Weiss: Heftige Debatte auf AZ-Facebook-Seite

„Andere rennen frei herum“

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Dutzende Kommentare hinterließen AZ-Leser auf der Facebookseite von az-online.

Uelzen/Landkreis. Kaum ein lokales Thema der vergangenen zehn Jahre hat die Uelzener so lange und so intensiv beschäftigt wie die Inhaftierung von Marco Weiss in der Türkei. Viele Uelzener machten sich damals stark für Marco, machten ihm aus der fernen Heimat Mut.

Andere wiederum sahen seine Verhaftung wegen des mutmaßlichen sexuellen Missbrauchs einer Minderjährigen als gerechtfertigt an.

So war es 2007, so ist es offenbar auch noch heute. Denn auf der AZ-Facebook-Seite (facebook.com/az.online) ist unmittelbar nach der Veröffentlichung, dass das Oberste Berufungsgericht der Türkei die Verurteilung des heute 23-jährigen Uelzeners bestätigt hat, eine heftige Diskussion entbrannt.

Die Mehrheit der AZ-Online-Leser kann die Urteilsbestätigung nicht nachvollziehen. „Sowas kann man echt nicht verstehen. Andere rennen frei herum, die Frauen oder Kinder vergewaltigen. Und in diesem Fall wird einer bestraft, der für diese Sache nicht mal wirklich was kann.“ Das schreibt beispielsweise der Facebook-Nutzer Florian H.. Anika W. hält dagegen: „Wie bitte? Ich glaube, ihr vergesst, dass dieser Mensch ein Mädchen sexuell genötigt hat!“

Rückblick ins Jahr 2007: Türkische Vollzugsbeamte mit Marco Weiss im Gefängnis von Antalya. Wegen mutmaßlichen sexuellen Missbrauchs einer 13-Jährigen war der Uelzener seinerzeit mehr als acht Monate in Haft.

Auf mehreren Facebook-Seiten wird der geteilte AZ-Online-Artikel rege diskutiert. Mehr als 100 Einträge zählten wir bis Redaktionsschluss. Die Mehrheit der Verfasser sieht in Marco Weiss das Opfer, nicht einen Täter. Auch Erinnerungen an die damalige AZ-Berichterstattung werden von Uelzener AZ-Online-Lesern in die Diskussion eingestreut: „Der Frauenarzt hatte sie zunächst auf 16 oder 17 geschätzt. Erst beim Blick auf den Patientenbogen habe er erkannt, dass er eine 13-Jährige vor sich hatte“, beschreibt etwa Jörg W.. Viele Uelzener wissen offenbar noch sehr gut, was vor fast sieben Jahren in der AZ berichtet wurde.

Nutzerin „Spari Bar“ sieht in Marco Weiss ebenfalls ein Opfer der Justiz und gibt auf Facebook zu dem AZ-Bericht zu bedenken: „Gehen wir mal davon aus, dass die Geschichte genau so passiert ist, wie Marco sie geschildert hat. Was fühlt die Mutter des Mädchens dabei? Sie wird doch bestimmt mittlerweile gemerkt haben, dass ihre Tochter nicht die Heilige ist, für die sie sie hält.“

Zahlreiche der beteiligten Facebook-Nutzer drücken jedoch auch ihre Verwunderung darüber aus, dass der Fall noch immer ein Thema ist. Und sie hoffen für alle Beteiligten auf ein Ende der Diskussion. Nina B.: „Keiner war dabei und keiner weiß genau, was da abgelaufen ist. Können nur hoffen, dass für alle jetzt endlich Ruhe einkehrt.“ Für Marco Weiss und seine Familie jedenfalls ist die Urteilsbestätigung womöglich auch ein lang ersehnter Schlussstrich.

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