Richter verurteilt Uelzener wegen gefährlicher Körperverletzung

Amtsgericht: Erst Sex, dann Todesangst

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David K. wurde wegen gefährlicher Körperverletzung, Hausfriedensbruch und Nötigung zu acht Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt.

Uelzen. Am Ende glaubte der Richter dem Angeklagten schlichtweg nicht. David K. hatte zu den Vorfällen vom 23. Januar diesen Jahres zwar umfangreich ausgesagt und einige Vorwürfe eingeräumt, er legt aber insbesondere auf eine Feststellung Wert: „Ich habe sie nicht gewürgt. “

Sie ist Jessica H. und wie K. aus Uelzen. Die Beziehung der beiden jungen Leute ist seit einiger Zeit vorbei. Aber rund um den zweiten Geburtstag des gemeinsamen Sohnes wachsen bei K. an besagtem Tag im Januar wohl die Hoffnungen, dass sich daran noch etwas ändern lässt. Einen Tag nach dem Geburtstag sucht er „hartnäckig“, wie Strafrichter Tore Larsen sagte, den Kontakt zu H. Er schreibt Nachrichten, ruft an. Und: Er wittert wohl einen Nebenbuhler.

Den gibt es da bereits seit gut zwei Wochen. Max D. hat Jessica H. über eine Online-Community kennengelernt. Und er liegt nach gemeinsamem Sex nackt in ihrem Bett, als sich K. und H. durch die geschlossene Tür zunächst ein Wortgefecht liefern und K. sich anschließend mit einem nachgemachten Schlüssel Zutritt zur Wohnung verschafft.

Nach übereinstimmenden Aussagen stürmt K. ins Schlafzimmer und schlägt D. ins Gesicht. H. versucht ihn zu bremsen, zerreißt seine Jacke. Nur mit einem Bettlaken bekleidet flüchtet D. aus der Wohnung, versteckt sich erst im Treppenhaus, später vor dem Haus im Gebüsch und ruft die Polizei.

K. rennt ihm hinterher, stellt ihn oben im Mietshaus, das in der Innenstadt liegt, wenige Hundert Meter vom Ort der Verhandlung. Auch H. rennt hinzu. Der Streit verlagert sich auf das Ex-Paar und zurück in die Wohnung. Sowohl im Bade- als auch im Wohnzimmer kommt es zu weiteren Auseinandersetzungen. Hier gehen die Aussagen auseinander. K. spricht davon, H. geschubst zu haben, sie spricht von zweifachem Würgen mit einhändigem Druck auf den Kehlkopf. H.: „Ich hatte Todesangst. Ich hatte Panik, dass er nicht aufhört. Dass Schlimmeres passiert.“ K. habe zudem gesagt, dass er aus seiner Zeit beim Sicherheitsdienst wisse, wie man würge ohne Spuren zu hinterlassen.

K. lässt von H. ab. Sie landet auf der Polizeiwache, muss aber sofort ins Krankenhaus, hat Schmerzen und hyperventiliert. Bis heute leidet sie psychisch unter den Folgen.

K., der im Gericht ohne Verteidiger erschienen ist und von Richter Larsen zuvor mehrfach wegen unangemessenen Verhaltens ermahnt wurde, ist bei der Urteilsverkündung ganz still. Er hört den Richter sagen, dass ihm seine, Ks., Aussagen an mancher Stelle wenig glaubhaft erscheinen – beispielsweise, dass die blauen Flecken auf die sexuellen Vorlieben Hs. zurückführbar seien und er sie bei ihrem Gewicht gar nicht auf den Glastisch im Wohnzimmer hätte schmeißen können. Er hört auch, dass der Richter keinen Zweifel daran hegt, dass H. und Zeuge Max D. der Wahrheit entsprechend ausgesagt hätten.

Weitgehend dem Plädoyer der Staatsanwältin folgend urteilt Larsen auf acht Monate Freiheitsstrafe wegen gefährlicher Körperverletzung, Hausfriedensbruch und Nötigung, die gegen drei Jahre auf Bewährung ausgesetzt werden. Auch, weil K. nicht vorbestraft war, die Vorwürfe teils gestand und sich bei H. entschuldigte.

Von Steffen Kahl

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