Lords, Rattles und Susi Salm bei der Nacht der Rocklegenden in der Uelzener Jabelmannhalle

Alt-Rocker haben es immer noch „drauf“

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Susi Salm ist der Star bei „Rudolf Rock und die Schocker“.

Uelzen. Ein Flummi ist ein Hartgummi-Ball, der, einmal irgendwo aufgeprallt, seine Sprungkraft scheinbar nie verliert, ständig hüpft und in Bewegung bleibt.

Womit eigentlich auch schon die Bühnenshow von Susi Salm in der „Nacht der Rocklegenden“ am Sonntag in der Jabelmannhalle beschrieben ist. 

Einem Flummi gleich hüpft, springt, dreht sie sich auf der Bühne, wirft die blonden Haare hin und her, knetet das Mikro. Sie ist der Star bei „Rudolf Rock und die Schocker“. Die anderen, die nicht im Rampenlicht stehen, machen die Musik. Susi singt „Motorbiene“ und ist es auch und bringt mit „Born to be wild“ ihr Lebensmotto auf die Bühne.

Andreas Böther am Saxophon. Seine Musik geht in der allgemeinen Lautstärke von „Rudolf Rock“ unter.

Ihr zur Seite und nicht minder bühnenerfahren: Lutz Wollersen. Ein Hingucker am Keyboard: Martin Oberleitner – eine Wonne, ihm dabei zuzusehen, wie er in seiner Musik aufgeht, im nächsten Augenblick auf und ab springend in die Tasten hämmert. Schade, dass seine Musik in der Lautstärke der Band ebenso untergeht wie die wunderbare Blechmusik von Andreas Böther (Saxophon) und Gunnar Kockjoy (Trompete).

Dienstälteste Rockband der Welt in Uelzen: die „Lords“ (von links): Klaus-Peter Lietz, Bernd Zamulo, Jupp Bauer.

Als in Uelzen Aufgewachsener hat Uli Salm (Rudolf Rock-Bass) den Heimvorteil, mit seinen Schockern als letzte Band auftreten zu dürfen. Den Vortritt lässt er denen, die Beat und Rock nach Deutschland brachten: der mit mittlerweile 57 Jahren „dienstältesten Rock-Band der Welt“, den „Lords“. 1959 war Klaus-Peter „Leo“ Lietz Mitbegründer der „Skiffle-Lords“, aus denen „The Lords“ wurden. Ein Urgestein auch Bernd Zamulo, der 1965 für den verunglückten Lord Knut einsprang – beeindruckend seine an Joe Cocker erinnernde Rock-Stimme. Seit 1979 dabei ist Josef „Jupp“ Bauer. Virtuos sein Gitarrenspiel, die Finger huschen nur so über die Saiten. Sie bringen „die“ Hits von damals, darunter „Poor Boy“, mit.

Rock muss einfach Spaß machen: Manne Kraski (links) und Eggert Johannsen bei der Nacht der Rocklegenden in der Uelzener Jabelmannhalle.

Damals waren sie die Hausband des „Star-Club“, sie waren als erste deutsche Band in England, der Heimat des Beat, auf Tour – „The Rattles“. Sie spielen „Come on and sing“, und alle singen mit. Schön die Hommage an Bo Diddley: „Mona“ – nur Rhythmus-Gitarre, Schlagzeug, Rasseln und die eindrucksvolle Stimme von Eggert Johannsen. Dass sie es immer noch „drauf“ haben, zeigen Herbert Hildebrandt, Dicky Tarrach und Manne Kraski mit Songs wie „Twist and Shout“.

Die „Nacht der Rocklegenden“ – ein Abend des Schwelgens und der Erinnerung an rock- und beatselige Zeiten.

Von Folkert Frels

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