Die alltägliche Gewalt

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Immer häufiger wird auch gegenüber Polizisten zugeschlagen: Vor allem junge Menschen unter Alkoholeinfluss reagieren immer enthemmter.

Uelzen. Zunächst waren es nur mehrere Schlägereien „im Rahmen der üblichen Alkoholexzesse von Jugendlichen und jungen Erwachsenen“, schildert Kripochef Jan-Olaf Albrecht den Himmelfahrtstag 2010 auf dem Schützenfest Oldenstadt. Doch was dann folgte, zählt zu den schwersten Übergriffen auf Polizisten im Kreis Uelzen im vergangenen Jahr. Eine eintreffende Streife wird von Jugendlichen attackiert, ein Beamter mit einem Tritt in den Rücken zu Boden gestoßen. Zehn Polizisten und der Einsatz von Schlagstöcken und Pfefferspray sind schließlich erforderlich, um die Lage unter Kontrolle zu bekommen. Drei Beamte erleiden teils erhebliche Verletzungen wie einen Rippenbruch und sind für Wochen dienstunfähig.

Die Vorfälle von Oldenstadt sind ein Extremfall, doch sie sind bezeichnend für eine Entwicklung, die der Polizei zunehmend Sorge bereitet. „Polizeibeamte verhindern und verfolgen Straftaten nicht nur, sie sind auch regelmäßig Opfer von Gewalt“, schilderte Albrecht jetzt bei der Vorstellung der Kriminalstatistik des Jahres 2010 für den Kreis Uelzen. Dass Unbeteiligte sich einmischen und Festgenommene befreien wollen, Aggressionen und Widerstände teils überraschend aus alltäglichen Situationen entstehen, „das hatten wir früher in diesem Ausmaß nicht“, so der Kripochef. Die Polizei müsse mittlerweile in Uelzens bekannten Kneipenstraßen massiver auftreten, um für Ordnung zu sorgen, „bei unserer Dienstplanung vor allem für die Wochenendnächte berücksichtigen wir das ganz gezielt.“ Denn gerade an jüngeren Kollegen gehen Einsätze mit körperlichen Attacken nicht immer spurlos vorüber, weiß Albrecht: „Auch Polizisten sind keine Panzer.“

Und noch ein weiterer Umstand treibt den Ermittlern trotz sinkender Straftaten-Zahlen die Sorgenfalten auf die Stirn: 63 Prozent aller Raubdelikte wurden von jungen Tätern unter 22 Jahren begangen, 8,8 Prozent von ihnen waren sogar Kinder bis 14 Jahre. Alkohol spielt dabei eine große Rolle: Rund ein Drittel der Tatverdächtigen war bei den Überfällen zumindest angetrunken. Insgesamt gab es 40 Raube, 34 davon wurden aufgeklärt.

Von Thomas Mitzlaff

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