Von Woche zu Woche

Allheilmittel Thermenhotel?

In der umgestalteten Jod-Sole-Therme eine Runde schwimmen, durch den neuen Kurpark spazieren, eine Tasse Kaffee in der barrierefreien und aufwendig sanierten Fußgängerzone trinken, ein Konzert aus dem Veranstalungsprogramm herauspicken... und sich dann in das 70er-Jahre-Zimmer zurückziehen. Wo ist der Fehler?

Bad Bevensen stellt sich neu auf. Es wird investiert in Infrastruktur. Fördermittel werden und wurden eingeworben, um die Stadt als Tourimusstandort zukunftsfähig zu machen – und das mit Erfolg. Traut man den Statistiken der Kurgesellschaft, steigen die Gästezahlen.

Wiebke Brütt

Das Land ist der Kurstadt freundlich gesonnen, bezeichnet sie gar als „Leuchtturm“ der Lüneburger Heide. Was aber sind der neue Kurpark und das neue Kurhaus – wenn es denn gebaut wird – wert, falls die Gastgeber nicht mitziehen sollten? Wenig. Wer reist in eine Stadt, in der öffentliche Gebäude und die Innenstadt glänzen, es aber an modernen Unterkünften hapert? Nun kann man argumentieren, dass die Gäste, die Bad Bevensen buchen, ohnehin nicht an den neuesten Trends interessiert sind. Auf dieser Basis könnte man sich zurücklehnen. Kann man, sollte man aber nicht. Denn die Ansprüche der Gäste ändern sich – das belegen Touristiker und auch unser aller Alltagserfahrungen.

Bad Bevensen, als Stadt, die vom Tourismus lebt, kann es sich auf Dauer nicht leisten, auf die Erschließung neuer Gästegruppen zu verzichten. Will die Stadt auch nicht, sonst müsste die BBM nicht an neuen Tourismuskonzepten arbeiten – tut sie aber... Wer sich Urlaub gönnt, möchte ihn auch in schöner Umgebung verbringen – egal, ob er sich für ein Hotel, eine Pension oder ein privat vermietetes Gästezimmer entscheidet.

Aussortierte Möbel von Vermietern gehören nicht zur Wunschausstattung. Nun kann man nicht pauschal sagen, dass Urlauber in Bad Bevensen nicht angemessen untergebracht werden. Das stimmt nicht. Viele Unterkünfte sind sehr schön, bezaubern durch ihre Lage, Ausstattung oder das herzliche Ambiente. Klar ist auch, dass viele modernisieren würden, wenn das nötige Kleingeld da wäre. Wenn sich die Stadt aber auch künftig als touristisches Schwergewicht in der Lüneburger Heide präsentieren möchte, muss sie sich den Vergleich mit anderen Urlaubszielen gefallen lassen. Und da könnte die Luft in den nächsten Jahren dünn werden – wenn die Gastgeber nicht nachziehen.

Ob ein Thermenhotel mit direkter Anbindung an die Therme das Allheilmittel für Bad Bevensen ist, sei dahingestellt. Aber mutige Ideen und realistische Konzepte sind gefragt – nur so folgt der derzeitigen Aufbruchsstimmung ein nachhaltiger Erfolg.

Von Wiebke Brütt

Rubriklistenbild: © Philipp Schulze / phs-foto.de

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