„Alle nach hinten!“ schrie der Lokführer

Die Regionalbahn krachte gegen Lastwagen und Anhänger und entgleiste dann.

Uelzen-Westerwehye - Von Thomas Mitzlaff. „Ich habe Musik gehört, als der Zug plötzlich eine Notbremsung machte. Dann kam der Lokführer angerannt und schrie ,alle nach hinten!’ Und dann knallte es auch schon und alles flog durcheinander.“ So schildert Naif Catuk die dramatischen Sekunden des Zugunglücks Freitagfrüh in Westerweyhe. Die Regionalbahn ist nur noch wenige Minuten von Uelzen unterwegs, als der Lokführer in der Morgendämmerung das Hindernis auf dem Bahnübergang sieht.

Naif Catuk ist einer von 45 Reisenden in der Regionalbahn 24633. „Das waren vor allem jüngere Leute, Auszubildende und Schüler“, schildert er. Auch der 19-jährige Tischlerlehrling ist auf dem Weg zu seinem Arbeitsplatz in Uelzen, als es in Westerweyhe zu dem dramatischen Unfall kommt. Der Lokführer hat es gerade noch geschafft, die Reisenden aus dem vorderen Teil des ersten Triebwagens nach hinten zu schicken, als es zum Zusammenstoß kommt und die Bahn entgleist. „Viele haben sich festgehalten, andere wurden aus ihren Sitzen geschleudert“, schildert Catuk.

Dann herrscht plötzlich gespenstige Stille im verunglückten Zug. „Wenig später kam ein zufällig mitreisender Bahnbedienster zu uns und sagte, wir sollen sitzenbleiben“, schildert der 19-Jährige. „Doch einige waren in Panik geraten, die wollten nur noch raus.“ In kurzer Zeit ist der Zug geräumt, „schon nach wenigen Minuten kamen die ersten Rettungswagen und Feuerwehrfahrzeuge, die waren richtig schnell“, lobt Catuk.

12 des mit 45 Reisenden besetzten Zuges erlitten Verletzungen, auch der Lokführer und der 48-jährige Fahrer des Lastwagens wurden ins Uelzener Klinikum eingeliefert.

Nach Polizeiangaben war der Fahrer des Lastwagens mit Anhänger von einem angrenzenden Betriebsgelände gekommen und musste beim Abbiegen auf die Straße auf dem Bahnübergang rangieren. Dieser Vorgang habe laut Fahrtenschreiber mehr als eine Minute gedauert, dann schlossen sich die Schranken.

Der Sachschaden beträgt nach Polizeiangaben über eine halbe Million Euro. Die eingleisige Strecke Uelzen-Soltau sollte bis in die Nacht gesperrt bleiben. Die Bahn setzte einen Busverkehr zwischen Uelzen und Ebstorf ein.

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