Nach tödlichem Unfall bei Hanstedt II: 44-jähriger Lkw-Fahrer vor Gericht

Alkoholisiert am Steuer

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Prozessauftakt am Amtsgericht: Einem 44-Jährigen wird vorgeworfen, durch fahrlässiges Handeln den Tod eines Menschen verursacht zu haben.

Uelzen. Ein tragischer Verkehrsunfall im vergangenen August bei Hanstedt II hat ein juristisches Nachspiel: Ein 44-jähriger Uelzener soll alkoholisiert mit einem Lastwagen einen Unfall verursacht zu haben, bei dem eine 17-Jährige ums Leben gekommen ist.

Seit gestern muss er sich vor dem Amtsgericht verantworten, da ihm unter anderem vorgeworfen wird, durch fahrlässiges Handeln den Tod eines Menschen verursacht zu haben. Der gemessene Alkoholwert habe ergeben, dass er nicht mehr in der Lage gewesen sei, Auto zu fahren, hieß es gestern beim Prozessauftakt in der Anklage. Da das Gericht allerdings zuvor noch keinen Sachverständigen für den Alkoholwert berufen hatte, verkündete Richter Stefan Rothenberg schon kurz nach Beginn die Aussetzung des Verfahrens.

Laut Anklage war am Abend des 20. August 2012 der Lkw-Fahrer auf der Bundesstraße 71 zwischen Groß Liedern und Hanstedt II gegen einen Motorroller samt Sozius gefahren, auf dem ein Vater und dessen 17-jährige Tochter saßen. Sie wurden durch den Aufprall in den Graben geschleudert und dabei schwer verletzt. Die Tochter erlag am folgenden Tag im Lüneburger Klinikum ihren Verletzungen.

In der gestrigen Verhandlung verlas Rechtsanwalt Volker König eine Erklärung des Angeklagten, aus der hervorgeht, dass der 44-Jährige am Abend und in der Nacht vor dem Unfalltag viel Bier und Rum getrunken habe. Am 20. August habe er dann tagsüber gearbeitet, sei jedoch bei anderen mitgefahren. Auf dem Rückweg von seiner Arbeitsstelle habe er wieder drei halbe Liter Bier zu sich genommen und anschließend weiteres Bier, bevor er den restlichen Weg selbst mit dem Lkw nach Hause gefahren sei. Auf dem Heimweg geschah dann der tragische Unfall.

„Kurz vor Hanstedt II gab es einen lauten Knall“, so die Erklärung, der Angeklagte habe zunächst an einen Wildunfall gedacht, dann jedoch den Ruf des Rollerfahrers gehört und die Situation schließlich erfasst. Der Angeklagte vermute, dass die Jugendliche ein Kleidungsstück um die Hüfte geknotet getragen habe, das auf der Fahrt das Rücklicht verdeckt haben könnte. Den Roller samt Sozius habe er in der Dunkelheit jedenfalls nicht gesehen. „Ich will alles dazu tun, um den Unfall wieder rückgängig zu machen“, habe der Angeklagte der Familie des Opfers schriftlich mitgeteilt.

Der Vater der 17-Jährigen nahm in seiner Zeugenvernehmung ausdrücklich gleich vorweg: Er habe wie üblich vor Antritt der Fahrt das Rücklicht überprüft. „Ich bin so sicher, dass das Licht gegangen ist.“ Zudem hätten Reflektoren den Roller kenntlich gemacht – und für eine Jacke oder einen Pullover sei es ohnehin zu warm gewesen.

Für den nächsten Prozesstag, bei dem ein Rechtsmediziner zum Thema Alkohol angehört werden soll, wird ein neuer Termin angesetzt. Für die weiteren Verhandlungen sind noch zehn andere Zeugenvernehmungen vorgesehen.

Von Diane Baatani

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