Auch Flüchtlinge betroffen

Alkohol, Glücksspiel, Medien: Viele Uelzener suchen sich Hilfe wegen ihrer Probleme

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„Es ist auffällig, dass mehr Menschen zu uns kommen, weil sie ein Problem mit Medikamenten oder Cannabis haben“, sagt Martina Lepins von der Fachstelle für Suchtberatung.

Uelzen. „Welche Suchtmittel haben Sie bisher probiert?“ Diese Frage stellen die Mitarbeiter der Fachstelle für Sucht und Suchtprävention Uelzen um ihre Leiterin Martina Lapins ihren Klienten seit dem vergangenen Jahr mittels eines Fragebogens.

Martina Lapins

Die Antworten in der Häufigkeit ihrer Nennung: Tabak, Cannabis, Amphetamine (Ecstasy, MDMA), Kokain, Gücksspiel, Medikamente. Aber welche Suchtmittel treiben die Klienten in die Beratung? Diese Frage wird so beantwortet: Alkohol, Cannabis, Glücksspiel. „Wir haben jetzt belastbare Zahlen und sehen ganz klar, dass Cannabis und Glücksspiel als Suchtmittel ganz nah an Alkohol herangerückt sind – da kommen auffällig mehr Klienten“, beschreibt Lapins einen Trend. In den Fokus der Suchtarbeit gerät zunehmend auch exzessiver Medienkonsum. Über ein Drittel der Befragten gab 2015 an, bis zu fünf Stunden täglich Medien zu konsumieren.

Knapp 250 Menschen wurden im vergangenen Jahr von ihrem Team beraten, ein kleiner Teil davon war nur 14 Jahre alt oder jünger, der Löwenanteil 40 oder älter. 150 Mal wurden Männer beraten, 95 mal Frauen.

Sucht gefährdet die Erwerbsfähigkeit. Martina Lapins stellt hierzu heraus: „Wir wissen um den stabilisierenden Faktor von Arbeit gerade bei suchtmittelabhängigen Menschen.“ Seitens der Fachstelle werde man künftig daher die Kompetenzen bezüglich berufsbezogener Leistungen verstärkt in die ambulante Rehabilitation einfließen lassen. Von 20 Patienten, die 2015 ambulant behandelt worden, waren zu Beginn nur elf erwerbsfähig. Am Ende waren es 17.„Die Zahlen bestärken uns in unserem Vorhaben“, so Lapins weiter. Die Leiterin weist in diesem Zusammenhang ausdrücklich darauf hin, dass sich Suchttherapie und Erwerbstätigkeit durchaus vereinbaren lassen.

Ferner, so Lapins weiter, stellen sich auch für die Fachstelle im Zusammenhang mit der Thematik rund um den Flüchtlings-Zuzug neue Aufgaben. So wird der Falls des Syrers K. geschildert, der trotz mehrfacher Therapieansätze an Spiel- und PC-Sucht sowie an Depressionen leidet und deswegen bisher keinen Integrationskurs schaffte. „Ich muss an Suizid denken“, „Mein virtuelles Leben zieht mich zurück, gibt mir Trost und vertieft meine Isolation“ und „Ich will ein Leben, das ohne Schmerzen ist“, schreibt K. Fünf Prozent der Flüchtlinge, schätzt die Fachstelle, seien suchtgefährdet oder hätten bereits ein Suchtproblem – eine Aufgabe, der sich auch das hiesige Suchhilfesystem stellen müsse.

Trotz der wachsenden Aufgaben sieht man bei der Fachstelle einigermaßen sorgenfrei in die Zukunft, denn ein Nachwuchsproblem gibt es nicht. So stieß 2015 Jennifer Schmidt, Sozialpädagogin im Anerkennungsjahr, zum Team dazu, um sich insbesondere der Suchtberatung zu widmen. Und auch im Bereich der ehrenamtlichen Helfer gab es Zuwachs.

Und während Suchtkranke selbst inzwischen weniger Hemmungen hätten, sich mit ihrem Problem zu „outen“ und Unterstützung zu holen, apppelliert Martina Lapins an Angehörige von und Menschen aus dem Bekanntenkreis von Suchtkranken, sich ebenfalls an die Fachstelle zu wenden: „Die können noch mehr kommen. Zuletzt haben wir sogar eine eigene Angehörigen-Gruppe ins Leben gerufen.“

• Kontakt: Fachstelle für Sucht und Suchtprävention, Veerßer Straße 23, Uelzen. suchtberatung.uelzen@evlka.de, www.kirche-uelzen.de/diakonieverband. Telefon (0581)700 93.

Von Steffen Kahl

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