Deutliche Kritik an der Idee für Discounter im Marktcenter

Aldi am Veerßer Tor? Ohne die Politik!

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Uelzen. Der Discounter Aldi will seine Standorte in der Stadt Uelzen optimieren: Wie berichtet, sollen die zurzeit drei Filialen mit jeweils etwa 800 Quadratmetern Verkaufsfläche auf zwei Standorte mit je 1200 Quadratmetern zusammengefasst werden.

Eine der neuen Filialen würde der Discounter-Riese möglicherweise gern ins Marktcenter am Veerßer Tor einziehen lassen. Und auch der Marktcenter-Investor HBB (Hanseatische Betreuungs- und Beteiligungsgesellschaft) würde das wohl befürworten, heißt es. Doch diese Rechnung haben die beiden ohne die Uelzener Politik gemacht: In der Sitzung des Ausschusses für Stadtplanung, Umweltschutz und Bauen am Donnerstagabend wurde deutlich, dass man von dieser Idee wenig begeistert ist.

Eigentlich galt es, das Städtebauliche Entwicklungskonzept „Lebensmitteleinzelhandel für die Stadt Uelzen“ zu genehmigen. Selbiges hat die Umstrukturierung des Aldi-Netzes in der Uhlenköperstadt zum Inhalt und – befürwortet sie. Doch Uwe Holst (SPD) befürchtete, dass man mit einer Entscheidung über das Konzept auch in Sachen Aldi „Pflöcke einschlägt“. Außerdem solle HBB erstmal einen zweiten Ankermieter für das Marktcenter nennen, bevor man „anderen Entwicklungen Brücken baut“, so Holst. Wie berichtet, steht als einziger großer Mieter im Martkcenter bislang nur der Supermarkt Rewe fest.

Auch Ausschussvorsitzender Karsten Jäkel (CDU) war kritisch: Die geplante Schließung des Aldi-Markts am Bohldamm könnte zu einer ungewünschten „Industrie-Brache“ führen, außerdem habe er auch mit dem möglichen Aldi-Standort Marktcenter so seine Probleme. „Der HBB kommt das Ganze natürlich zupass, und wir belohnen mit unserer Entscheidung noch die schlechte Vertragserfüllung der HBB.“

Burkhard Schorling (Piraten/Bündnis 21/RRP/FR-Gruppe) fand ebenfalls deutliche Worte. „Die HBB hat uns schon genug an der Nase herumgeführt“, sagte er, „wenn die dann unser Einzelhandelskonzept sehen, denken die auch noch: alles klar.“ Und auch wenn Stadtbaurat Karsten Scheele-Krogull gebetsmühlenartig betonte, dass eine Entscheidung über das Konzept keinesfalls eine Entscheidung über einen Aldi-Standort bedeute, sondern der Stadtrat in jedem Fall das letzte Wort haben werde, blieb die Mehrzahl der Politiker im Ausschuss misstrauisch. „Allein die Erwartung der HBB öffnet die Tür einen Spaltbreit“, fand Schorling.

Hans-Jürgen Heuer (CDU) kommentierte die Debatte derweil etwas nüchterner. „Wir haben schon vor 20 Jahren Diskussionen darüber geführt, wer sich hier ansiedeln darf und wer nicht. Damit ist uns auch viel entgangen.“ Seiner Meinung nach solle man das Lebensmittelhandel-Konzept einfach als Grundlage für weitere Entscheidungen verstehen.

Genau dies wollten die Politiker im Ausschuss dann auch tun. Allerdings nicht, ohne die Beschlussempfehlung an den Stadtrat mit einem Zusatz zu versehen: Die Politik sehe die Ansiedlung von Aldi im Marktcenter kritisch. Das Konzept wurde bei zwei Gegenstimmen abgesegnet.

Von Ines Bräutigam

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