Tipps für die Urlaubszeit: Expertin verrät, was vor Einbrüchen schützt

Alarmanlage gleich mit geklaut

+

Uelzen. Wenn das eigene Heim im Urlaub leer steht, haben Einbrecher leichtes Spiel. Dabei ließen sich viele Taten durch einfache Maßnahmen verhindern.

Welche das sind, verrät Eleonore Tatge, Beauftragte für Kriminalprävention der hiesigen Polizeiinspektion, im Interview mit AZ-Volontärin Anna Petersen.

Frau Tatge, auf was stellen sich die Ermittler in den kommenden Sommerwochen ein? 

Einbrecher machen jetzt natürlich nicht unbedingt Urlaub – auch, wenn die Haupteinbruchszeit im Herbst liegt, wenn es wieder früher dunkel wird. Täter achten jetzt aber besonders darauf, ob ein Haus leer steht. Auffällig ist es zum Beispiel, wenn tagelang die Mülltonne an der Straße steht, wenn Blumen nicht gegossen werden oder das Haus am Abend immer dunkel ist. All das sind Dinge, aus denen ein Einbrecher schnell den Schluss ziehen kann, dass niemand zu Hause ist.

Welche Vorkehrungen sollten von Urlaubern getroffen werden, um beruhigt wegfahren zu können? Was ist Pflicht, was die Kür? 

Pflicht sollte sein, das Haus bewohnt erscheinen zu lassen. Und die Kür, zumindest die Mechanik der Türen und Fenster so abzusichern, dass niemand einsteigen kann. Es gibt Sicherungen, die man auch im Nachhinein noch installieren kann. Sie setzen dem Täter mechanischen Widerstand entgegen und es ist bekannt, dass sie nach einer gewissen Zeit ihr Vorhaben aufgeben.

Welche zum Beispiel? 

Eleonore Tatge

Ideal sind Sicherheitssysteme, die im Fenster installiert werden. Wird das Fenster geschlossen, greifen im Inneren die nicht sichtbaren Mechanismen. In der Regel sind das so genannte Pilzkopfverriegelungen. Fensterbeschläge einfacher Bauart werden üblicherweise mit Rundköpfen ausgestattet – ohne Einbruchshemmung. Eine Alternative sind aufgesetzte Sicherungen, die die Fenster sperren. Wichtig ist vor der Reise aber auch zu gucken, wo sich am Haus mögliche Aufstiegshilfen befinden. Täter nutzen zum Beispiel Leitern oder Mülltonnen, um an Fenster im oberen Stockwerk zu gelangen. Zur Kür würde auch gehören, den Nachbarn Bescheid zu sagen, wann und für wie lange Zeit man verreisen möchte. Diese schauen dann ganz anders hin, wenn jemand Fremdes auf dem Grundstück herumschleicht. Bestenfalls nehmen Bekannte sogar im Haus selber Veränderungen vor. Dazu zählt Licht in verschiedenen Räumen anzuschalten, Gardinen umzusetzen und – ganz wichtig – Werbematerial aus dem Briefkasten zu nehmen. Wenn der überquillt, ist das ein deutlicher Hinweis für Täter.

Wie ist das mit Alarmanlagen. Die gibt es ja mittlerweile sogar im Discounter... 

Damit haben wir leider schlechte Erfahrungen gemacht. Wir hatten gerade einen Fall, bei dem die Täter die Alarmanlage sogar gleich mitgenommen haben. Philosophie der Polizei ist, die Täter möglichst daran zu hindern, überhaupt ins Haus hinein zu kommen. Insofern hat sie sehr hohe Anforderungen an solche Anlagen, zum Beispiel dass sofort eine Meldung kommt, wenn der Täter versucht einzubrechen – und nicht erst, wenn er drin ist. Mein Tipp: Eine Übersicht ist zu finden unter www.k-einbruch.de.

Wo liegen die häufigsten Schwachstellen an Häusern und Wohnungen?  

Ganz häufig wird vergessen, Nebentüren zu sichern – etwa zum Keller oder Hauswirtschaftsraum. Kellerfenster sind auch oft gar nicht richtig abgesichert. Grundsätzlich gilt: Immer der Ort, der von Nachbarn und Passanten am wenigsten einsehbar ist, ist für die Einbrecher am interessantesten. Viele kommen darum zum Beispiel über die Terrasse.

Wie verhalte ich mich, wenn mir auf dem Grundstück des verreisten Nachbarn etwas Verdächtiges auffällt. Ab wann reagiere ich – und wie? 

Wenn Sie Geräusche hören, die vielleicht auch von Handwerkern stammen könnten – ein Klackern, Klirren, Splittern, Bohren oder Hämmern – kann das verdächtig sein. Wenn Sie wissen, Ihr Nachbar ist nicht da, sollte in solch einem Fall die Polizei gerufen werden, weil es gefährlich sein kann, selbst nachzuschauen. Wenn Sie jemanden sehen, der sich auf dem Grundstück bewegt, können Sie ihn natürlich ansprechen und fragen: Was suchen Sie? Kann ich Ihnen helfen? Und sollte ein verdächtiges Fahrzeug beobachtet werden, dass sehr langsam fährt oder an der Straße steht und der Fahrer einfach nur dort sitzt, könnte ebenfalls die Polizei informiert werden. Immer dann, wenn Sie davon ausgehen, dass ein Täter in diesem Moment einbrechen will oder sich bereits im Haus befindet, sollte der Notruf 110 gewählt werden.

Kommentare