NS-Bürgermeister: Politik kritisiert Bilderabhängen von Anti-Rechts-Aktivisten

Aktion von „Wichtigtuern“

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Uelzen. Die Aktion des Bündnisses gegen Rechts und der Initiative „Keine Nazistraßen in Uelzen“, im Uelzener Rathaus die Portraits dreier ehemaliger Bürgermeister der Stadt mit NS-Vergangenheit im VA-Saal abzuhängen (AZ berichtete), stößt in der Politik durchweg auf Unverständnis und Empörung.

„Ich halte nichts davon, die Bilder abzuhängen, weil sie ein Teil der Historie Uelzens sind“, stellt Stefan Hüdepohl, Vorsitzender der Gruppe CDU/Grüne/UWG, fest. Die Entscheidung von Bürgermeister Otto Lukat, besagte Fotos umgehend wieder aufzuhängen, sei „völlig korrekt“, so Hüdepohl. „Die hängen da zurecht. Denn die Historie muss aufgearbeitet werden; es ist wichtig, dass sie präsent bleibt. Und es ist mir lieber, wenn zu den Fotos Fragen gestellt werden, als wenn es Diskussionen darüber gibt, warum sie dort nicht hängen.“ Im Übrigen, so der Gruppenvorsitzende, habe die Stadt vordringlichere Probleme zu lösen – weswegen für ihn das Thema auch ein für alle Mal erledigt sei.

SPD-Fraktionsvorsitzender Ralf Munstermann sieht das genauso: „Ich halte von dieser Aktion gar nichts. Wir teilen die Auffassung des Bürgermeisters, dass es sich bei den Bildern um eine wertfreie Erfassung der Historie handelt.“ Die Bilder müssten hängen bleiben, „um die Diskussion weiter zu führen“. In einer Chronik, die parallel zur Bildergalerie ausliegt, sei die Vergangenheit eines jeden einstigen Bürgermeisters nachzulesen. Mit dieser Ergänzung und der Tatsache, dass man Straßen, die nach Personen mit NS-Vergangenheit benannt worden waren, umbenannt hat, „sind wir unserer Verantwortung nachgekommen“, so Munstermann.

Auch Burkhard Schorling, Vorsitzender der Gruppe Wir für Uelzen/Piraten/RRP, findet deutliche Worte für das Vorgehen der beiden Bündnisse: „Ich halte diese Aktion für eine Veranstaltung von Wichtigtuern, die meinen, damit etwas für die Aufarbeitung eines dunklen Teils unserer Geschichte beitragen zu können. Dass der Bürgermeister aufgrund dieses gesetzeswidrigen Verhaltens dieser Gruppe ungehalten reagiert hat, ist menschlich und durchaus verständlich. Diese Aktion nicht weiter strafrechtlich verfolgen zu lassen, ist in Ordnung, gäbe es diesen Personen dann doch ein weiteres Ziel für ihreProvokationen.“ Auch Schorling meint, dass es sich bei der Bilderausstellung im VA-Saal um eine chronologische Auflistung der Bürgermeister dieser Stadt handele. „Zur Geschichte Uelzens gehört damit eben auch die Zeit des Nationalsozialismus. Diese lässt sich durch Abhängen der Bilder leider nicht löschen.“

Grundsätzlich gut, dass sich Menschen engagieren, findet Joachim Delekat (UWG) derweil. Allerdings sieht er die Abhäng-Aktion doch kritisch: „Die können froh sein, dass sie keine Anzeige bekommen“, sagt er über das Vorgehen der beiden Bündnisse. Auch er sei der Meinung, „dass man sich mit dem Thema nicht weiter befassen sollte“.

Ariane Schmäschke (Grüne) findet es schlichtweg „sehr kritisch und grenzwertig, wenn man in nichtöffentliche Räume des Rathauses geht und einfach Bilder abhängt“. Auch sie ist der Auffassung, dass die Bildergalerie eine Chronik darstelle und ein Bestandteil der Geschichte sei, die einen „Erinnerungs- und Mahnungswert“ habe. „Man kann das nicht wegradieren.“

Von Ines Bräutigam

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