Interessengemeinschaft der Weidetierhalter in Nord-Ost-Niedersachsen fordert klare Richtlinien für Entschädigungen

Aggressive Kühe durch den Wolf

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Die beiden Rinderzüchter Marc Jacholke (links) aus Növenthien und Reinhardt Dehrmann aus Bahnsen fordern klare Richtlinien bei der Entschädigung von Wolfsschäden.

Bahnsen/Landkreis. Von Kranichen und Sperlingen weiß der Bahnsener Dr. Günter Lindloff zu berichten. Ein kleines Naturparadies vor der Haustür. Und er weiß auch, wem er das zu großen Teilen zu verdanken hat: der Mutterkuhhaltung von Reinard Dehrmann.

Doch Lindloff malte gestern bei der nformationsveranstaltung der Interessengemeinschaft der Weidetierhalter in Nord-Ost-Niedersachsen im Gasthaus Dehrmann ein Bild, das er „optisch unerträglich“ fände: „Wenn die Rinder kaserniert werden müssen, dann befürchte ich, dass viele Landwirte mit der Mutterkuhhaltung aufhören. “ Und das hätte Folgen für die Natur. Der Grund für die Sorgen der Interessengemeinschaft ist der Wolf, der in diesem Jahr bereits vier Damtiere gerissen hat. Im vergangenen Jahr waren es sogar 49 Schafe und 18 Damtiere.

Spät und nur intern eingeladen hatte Rudolf Michaelis aus Rätzlingen, der Sprecher der Interessengemeinschaft. Den Tierhaltern ging es vor allem um die Frage der Entschädigung bei Wolfsrissen. „Wir haben ganz klare Richtlinien für Entschädigungen gefordert, aber es ist nichts passiert“, untermauerte Jochen Strampe aus Brockhimbergen als Vertreter der Damtierhalter die Forderung der Interessengemeinschaft und berichtete von einem Gehege in Eschede, das dreimal von Wölfen angegriffen wurde. „Es ist ein wirtschaftlicher Totalschaden.“

Friedrich Averbeck von der Masterrind Verden bedauerte vor allem, dass der Vertreter des Umweltministeriums abgesagt hatte. „Wenn wir uns unser Leid erzählen, bringt es nicht viel.“ Die Rinderhalter werden in seinen Augen „behandelt wie nichts“.

Von zu viel Theorie in den Richtlinien berichtete Jochen Rehse aus Klein Bünstorf . Er ist Vorsitzender des Landesschafzuchtverbandes Niedersachsen. „Die Richtlinien besagen, dass die Schafe wolfssicher eingezäunt werden sollen, aber es ist eben nicht überall möglich.“ Nicht nachvollziehbar ist für ihn die Höhe der Entschädigung, die von Landkreis zu Landkreis unterschiedlich hoch sei und maximal 7000 Euro betrage. Im Zuge der Diskussion kamen die Tierhalter schnell wieder an einem Problem an, das nicht neu ist: Wer zahlt die so genannten Folgeschäden? „Die Schwierigkeit der Beweislage ist nicht geklärt“, sagte Dr. Enno Hempel von der Pferdeland Niedersachsen GmbH. Fliehen beispielsweise Pferde aufgrund eines umherstreifenden Wolfes und verletzen sich, muss nachgewiesen werden, dass der Wolf die Ursache für die Flucht des Tieres war.

Der für den Landkreis Uelzen zuständige Wolfsberater Theo Grüntjens bedauerte ebenfalls, dass kein Vertreter des Umweltministeriums vor Ort war. „Wir dokumentieren nur die Vorfälle.“ Grüntjens hält die DNA-Untersuchung jedes Tieres für wenig sinnvoll, „weil die Untersuchung teurer ist als die Entschädigung“. Wölfe fallen nicht unter das Jagdrecht und sind geschützte Tiere. Und selbst, wenn die Politik jetzt reagieren würde, würde es noch vier Jahre dauern, bis der Wolf seinen Schutzstatus verliert.

Die Interessengemeinschaft fordert klare Regularien vor allem im Punkt der Entschädigung – sei es der Suderburger Dr. Werner Spangler, der Rennpferde und japanische Kobe-Rinder züchtet, oder der 25-jährige Növenthiener Marc Jacholke, der seit seinem 13. Lebensjahr Rinder züchtet. „Die Mutterkühe reagieren teilweise aggressiv und die Tiere rotten sich zusammen. Zum Ohrmarken ziehen gehen wir nur noch zu zweit auf die Wiese“, schildert Jacholke. „Wir müssen mehr Druck nach oben machen“, zog Rudolf Michaelis das Fazit des gestrigen Tages.

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