Allergien machen Vielen das Leben schwer / Neue Pollen aus dem Süden

Aggressive Ambrosia

Nach den Frühblühern im Frühjahr kommen die Sommergräser und im Spätsommer die neu auftretende Ambrosia. Fotos: dpa

Uelzen/Landkreis. Was die meisten Menschen freut, hat für manche auch großes Nerv-Potenzial. Allergiker freuen sich nur bedingt auf den Frühling und Sommer, in dem die Pollen in der Luft fliegen und ihnen das Leben schwer machen.

Hinzu kommt: Ein in Mitteleuropa bisher seltenes Kraut macht sich immer mehr breit. Die Pollen der Ambrosia sind zahlreich und hoch allergen.

Die Ambrosia-Pflanze soll sogar zu Asthma führen.

Derzeit leiden Pollenallergiker an den sogenannten „Frühblühern“. Jan-Henrik Blohm, Oberarzt der Abteilung für Kardiologie, Angiologie und Pneumologie, nennt Birke, Erle, Buche und Hasel, die je nach Wetterlage bis etwa Mitte oder Ende Mai in der Luft sind. „Das höchste allergene Potienzial hat hier die Birke mit sehr vielen Kreuzallergien“, sagt Blohm. Mit „Kreuzallergien“ meint er allergische Reaktionen auf sehr viel mehr Stoffe als nur Birkenpollen – in ihnen sind Moleküle, die den allergieverursachenden Molekülen der Birke so ähnlich sind, dass der Körper auch auf sie reagiert, obwohl der Mensch eigentlich nur Birkenallergiker ist. Das können andere Bäume sein, Nüsse, Steinobst oder Beeren.

„Dann kommen insbesondere die Sommergräser und im Spätsommer auch die neu hinzugekommene Ambrosia“, erklärt der Oberarzt. Und den letzten Punkt betont er: „Die Ambrosia hat einen besonderen Stellenwert, da sie besonders viele kleine Pollen hat und ein sehr hohes allergenes Potenzial.“ Die Beifuß-Ambrosie, auch Traubenkraut genannt, ist recht neu in Europa und bereitet bisher den Menschen in Südeuropa und im südlichen Deutschland Kopfzerbrechen: In Ungarn beispielsweise muss man sie vernichten, wer das nicht tut, macht sich strafbar. Die Pflanze stammt nicht aus Europa, sondern aus Nordamerika und verbreitet sich schnell. Nach Europa übergesiedelt ist sie vermutlich durch Vogelfutter, der Klimawandel sorge dafür, dass sie sich auch weiter in den Norden ausbreitet. Ambrosia könne sogar zu Asthma führen.

Typische Symptome bei Allergikern sind Juckreiz (besonders Augenjucken), Niesen und Schnupfen. „Es kann aber auch Luftnot bei einer Lungenbeteiligung hinzukommen“, sagt Blohm. Diese Symptome und die Allergien sind nicht mit der Jugend fest für das kommende Leben: Selbst wer sich in der Jugend freut, kein Allergiker zu sein, kann es noch werden. Die Anzeichen sind dieselben wie bei einem Allergiker.

„Hausmittelchen“ sind dem Mediziner nicht bekannt. „Allerdings wird empfohlen, in der Saison die Fenster nachts zu schließen und die Augen vor dem Zu-Bett-Gehen gründlich auszuspülen“, meint er. Die Schulmedizin arbeite ansonsten mit Nasenspray, Tabletten mit Antihistaminika oder Augentropfen.

Von Kai Hasse

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