Versehrtenverein Uelzen quält Sorge: Ohne medizinische Betreuung sind Übungsstunden in Gefahr

Ärzte fehlen für Vereins-Herzsport

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Wie Uwe Westergaard nehmen wöchentlich etwa 80 Herzpatienten an den Übungsstunden des Versehrtensportvereins Uelzen teil. Chris-tine Dageförde vom Verein trainiert mit den Teilnehmern. Es fehlen dem Verein aber Ärzte als Betreuer.

Uelzen. Hans-Herbert Hüdepohl drohte ein Herzinfarkt. Der Blutfluss in den Venen wurde durch Engstellen behindert. Gerade noch rechtzeitig bemerkte der 77-Jährige, dass etwas „los ist“, wie er erzählt.

Hüdepohl bekam Bypässe eingesetzt, jetzt erholt er sich von dem Eingriff – und stärkt das Herz; mit von der Krankenkasse verschriebenen Sportübungen beim Versehrtenverein Uelzen von 1950. Dieser bietet wöchentlich Reha-Herzsport an. Die Vorsitzende des Vereins, Ingrid Erdt, plagen jedoch Sorgen: Womöglich muss sie Herzpatienten wie Hüdepohl künftig wegschicken.

Dem Verein fehlen Ärzte, die die wöchentlichen Herzsport-Übungsstunden betreuen. Die Anwesenheit eines Arztes ist bei Patienten, die Übungsstunden verordnet bekommen haben, zwingend vorgeschrieben. Rund 80 Frauen und Männer nehmen wöchentlich an dem Training in der Turnhalle der Uelzener Oberschule teil. Bei etwa der Hälfte liegt eine Verordnung der Krankenkasse vor. Die Übrigen, auch Herzpatienten, so Erdt, würden ebenfalls fortbleiben, wenn es keine ärztliche Betreuung mehr gäbe. „Sie sind beruhigt, dass im Notfall Hilfe vor Ort ist“, sagt die Vereinsvorsitzende.

Bis vergangenen Oktober hatte der Verein einen eigenen Arzt, der beim Herzsport immer vor Ort war. Kurzfristig habe dieser aus „persönlichen Gründen“ nicht mehr für die Aufgabe zur Verfügung gestanden, erklärt Erdt. Mit dem Vorstand des Vereins verschickte sie daraufhin mehr als 40 Briefe an Ärzte, mit der Frage, ob sie bereit wären, die Übungsstunden zu betreuen. „Wir erhielten zwei oder drei Absagen. Und drei Zusagen“, berichtet Erdt. Es fand sich aber kein Arzt, der bereit war, zu jeder Übungsstunde zu kommen. So weist die Übersicht der Trainingsstunden, in der die ärztliche Betreuung eingetragen wird, noch viele Lücken auf. Schon Ende Januar könnte Hans-Herbert Hüdepohl nach Hause geschickt werden, wenn sich nicht noch Ärzte finden.

Aus finanziellen Erwägungen heraus werde wohl keiner kommen, erklärt Erdt. Der Verein könne nur eine kleine Aufwandsentschädigung zahlen. „Das ist wirklich nicht viel“, so Erdt. Einer der Ärzte, die sich kurzfristig bereit erklärt haben, ist Felix Knobling. Bei der jüngsten Übungsstunde hat er ein waches Auge auf die Frauen und Männer, die in der Turnhalle durch Hula-Hoop-Reifen steigen und sich Bälle zuwerfen. „Herz-Sport ist wichtig“, sagt Knobling. Es sei erwiesen, dass durch ein dem Leistungsvermögen angepasstes Training Herzpatienten seltener Rückschläge bei ihren Erkrankungen erleiden. Das ist seine Motivation, dem Verein zu helfen. Erdt hofft, dass möglichst viele Mediziner sich noch finden, die denken wie Knobling. Das hofft nicht zuletzt auch Hans-Herbert Hüdepohl. Er will wieder fit werden, sagt er.

Von Norman Reuter

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