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Die Abschiebung von Albina: Die Willkür der Bürokratie

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Am 10. Juni hat der Landkreis Uelzen die 20-jährige Albina Bahovic (links), hier mit ihrer Schwester Raba, aus Nettelkamp in ihre Heimat Montenegro abgeschoben.

Sie ist jung, motiviert, gut ausgebildet und bestens integriert. Dennoch darf die 20-jährige Montenegrinerin Albina Bahovic vorerst nicht in Deutschland leben und arbeiten. Der Landkreis hat sie, noch bevor das Verwaltungsgericht Lüneburg dazu ein Urteil gesprochen hat, in ihr Heimatland abgeschoben.

Doch dort hat Albina keine Zukunft. Deshalb will sie so schnell wie möglich zurück nach Deutschland. Sie hat von Sommer 2015 an ein Jahr in Nettelkamp gelebt. Am 1. August wollte sie eigentlich eine Ausbildung zur Altenpflegerin in Uelzen beginnen.

Bernd Schossadowski

Albinas übrige Familie – Vater, Mutter und vier Geschwister – wohnt dagegen noch immer in Nettelkamp, denn ihr Asylverfahren läuft getrennt von Albinas. In der kommenden Woche wird die Familie aber freiwillig nach Montenegro ausreisen, weil sie keine Aussicht auf Asyl hat. Der Fall Bahovic, der in den vergangenen Wochen Schlagzeilen im Kreis Uelzen gemacht hat, zeigt die ganze Absurdität des deutschen Asyl- und Aufenthaltsrechts. Und er ist ein deutliches Zeichen dafür, dass Deutschland endlich ein Einwanderungsgesetz braucht, um die Migration sinnvoll steuern zu können. Deutschland braucht Einwanderer, die unserer Gesellschaft nutzen. Doch bürokratische Hürden und eine nicht mehr zeitgemäße Gesetzgebung verhindern häufig den geregelten Zuzug solcher Menschen.

Im Gegensatz dazu leben hierzulande Migranten, die unser Land ausnutzen und den Rechtsstaat an den Nase herumführen, jedoch aus verschiedenen Gründen nicht abgeschoben werden können. Hier müssen die Gesetze schleunigst geändert werden.

Völlig unverständlich ist im Fall Albina Bahovic die Entscheidung des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge. Es hat ein 30-monatiges Einreise- und Aufenthaltsverbot gegen die junge Frau verhängt. Dass das Verwaltungsgericht Lüneburg diesen Beschluss jetzt kassiert hat und dem Bundesamt Ermessensfehler und Rechtswidrigkeit vorwirft, ist eine schallende Ohrfeige für die Behörde.

Doch auch der Landkreis Uelzen hat sich in diesem Fall nicht mit Ruhm bekleckert. Warum nur hat die Kreisverwaltung Albina in vorauseilendem Gehorsam abgeschoben, ohne das Gerichtsurteil abzuwarten? Auch wenn das rechtlich zulässig war, mutet diese Entscheidung kaltherzig an. Albina hat die Willkür der deutschen Bürokratie erlebt. Es bleibt zu hoffen, dass das Gericht ihr bald die Einreise und den Aufenthalt in Deutschland erlaubt. Denn Albina braucht eine Perspektive für ihr Leben und kann diesem Land von großem Nutzen sein.

Von Bernd Schossadowski

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