300 000 Euro zurück?

Hatte Konsequenzen gezogen: Wolf von Nordheim

Uelzen/Landkreis - Von Marc Rath. In die Vorgänge um die finanzielle Schieflage der kirchenkreiseigenen gemeinnützigen Diakonie GmbH hätte der Kirchenkreistag viel früher einbezogen werden müssen. Dies ist eine der Schlussfolgerungen aus der Sonderprüfung des Landeskirchenamtes. Der vertrauliche Bericht wurde gestern Abend in Auszügen dem Kirchenkreistag vorgestellt. Demnach summiert sich das Defizit von 2006 bis 2009 auf fast 650 000 Euro.

Das im Dezember 2007 gewährte Darlehen von 300 000 Euro aus den Rücklagen des Kirchenkreises habe der Kirchenkreisvorstand (KKV) dabei ohne Zustimmung der Gremien vergeben können, da dies kein Eingriff in den Haushalt sei. Der Verzicht auf Forderungen ab Dezember 2008 sei jedoch eine eigenmächtige Handlung gewesen. Eine Haftung der ehrenamtlichen Gremienmitglieder komme allerdings nicht in Betracht, da bei ihnen weder Vorsatz noch arglistige Täuschung vorlägen. Die KKV-Mitglieder hätten sich davon leiten lassen, die GmbH sanieren zu können und zu lange der damaligen Geschäftsführung vertraut. Über die Rolle des ehemaligen Propstes ist in Kürze ein mündliches Verfahren vor der Disziplinarkammer der Landeskirche anberaumt.

Die Prüfer bemängelten zugleich die enge personelle Verquickung der Diakonie- und Kirchenkreis-Vorstände. Finanzausschuss-Vorsitzender Werner Lüdde sprach sich zudem für eine transparentere Finanzordnung aus. Er hatte das Verfahren im März 2009 nach Bekanntwerden des Finanzdesasters in Gang gebracht. „Der Propst hat seine Konsequenzen gezogen, das Kirchenkreisamt ist weitgehend entlastet worden und wir haben dem Kirchenkreisvorstand im Oktober das Vertrauen ausgesprochen. Das war gut so“, plädierte Lüdde jetzt für einen „langen Strich“ unter das Thema: „Wir müssen nach vorne sehen und unsere Informationssysteme verbessern.“

Das Defizit ist komplett aus Rücklagen finanziert worden. Nach Auskunft des Insolvenzverwalters kann der Kirchenkreis bei Abschluss des Verfahrens noch auf die Rückzahlung einer Ausfall-Versicherung in Höhe von 300 000 Euro hoffen.

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